campus|inform Januar 2019

Seite 2 Januar 2019 · campus | inform Integrative Erforschung von Herz und Hirn Exzellenzcluster verknüpft natur- und biomedizinische Forschung Göttinger SOFI beteiligt Neues Institut für gesellschaftlichen Zusammenhalt (her) In der zunehmend alternden Gesellschaft sind kardiologische und neurologische Erkrankungen weit verbreitet. Die Funktion erregbarer Zellen von Herz und Nervensystem sowie Mechanismen von Herz- und Hirnerkrankungen verstehen, Grundlagen- und klinische For- schung miteinander vernetzen und damit neue Therapie- und Diagnos- tikansätze mit gesellschaftlicher Tragweite entwickeln – das sind die Ziele des Göttinger Exzellenzclusters „Multiscale Bioimaging: von mole- kularen Maschinen zu Netzwerken erregbarer Zellen“ (MBExC). Der Cluster wird von Bund und Ländern seit Anfang 2019 zunächst für sieben Jahre gefördert. „Wir wollen krankheitsrelevante Funktionseinheiten von Herz- und Nervenzellen entschlüsseln. Dafür untersuchen wir die grundlegenden Pro- zesse in Herz und Hirn in ihrer ganzen Komplexität – von der molekularen Ebene bis zum gan- zen Organ“, so der designierte Cluster- Sprecher Prof. Dr. Tobias Moser von der Universitätsmedizin Göttingen (UMG). (her) Das Soziologische Forschungs- institut Göttingen (SOFI) ist einer von elf Verbundpartnern aus Hoch- schul- und Forschungseinrichtun- gen, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung ausge- wählt wurden, ein neues Institut für gesellschaftlichen Zusammenhalt (IfGZ) aufzubauen. Das Institut wird sich mit Fragen von Zugehö- rigkeit und Identität in einer plura- listischen Gesellschaft befassen. Ziel ist es, Analysen und Vorschläge zu erarbeiten, um wachsenden sozialen Spaltungen zu begegnen. Nach einer Aufbauphase im Jahre 2019, in der die beteiligten Einrichtungen ein tragfähiges Forschungsprogramm entwickeln, soll das neue Institut zu Beginn des Jahres 2020 seine Arbeit aufnehmen. Das SOFI beteiligt sich unter der Leitlinie „Praxis des Zusammen- halts“ mit den beiden Schwerpunk- ten „Digitalisierung gestalten“ und „Öffentliche Güter gewährleisten“ an dem bundesweiten Institut. „Di- gitalisierung ist das zentrale Stich- wort in der gegenwärtigen Diskus- sion um den Wandel der Wirt- schafts- und Arbeitswelt“, so Prof. Dr. Berthold Vogel, geschäftsfüh- render Direktor des SOFI. Digitali- sierung provoziert den gesellschaftli- chen Zusammenhalt – und fordert Genutzt wird dabei die Göttinger Expertise in der optischen Nanosko- pie, der Röntgenmikroskopie und der Elektronentomographie. Dies ist ein Beispiel für die Be- sonderheit des Exzellenzclusters: die enge, interdisziplinäre Verflechtung der UMG mit den Fakultäten für Chemie, Physik, Mathematik und Biologie der Universität sowie den außeruniversitären Göttinger For- schungseinrichtungen wie dem Deutschen Zentrum für Herzkreis- laufforschung e.V., dem Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Er- krankungen e.V. und den Max- Planck-Instituten für biophysikali- sche Chemie, für Experimentelle Medizin und für Dynamik und Selbstorganisation. Fachlich hat die Vernetzung von Herz-Kreislauf-For- schung und die Neurowissenschaf- ten bereits begonnen: MBExC baut auf diesen bereits bestehenden Syn- ergien auf. „Der Fokus auf die integrative Forschung bietet einzigartige Mög- lichkeiten für die Ausbildung einer neuen Forschergeneration“, sagt Chemikerin Prof. Dr. Claudia Stei- nem, designierte Co-Sprecherin des MBExC. Zusätzlich zu den beste- henden Strukturen am Göttingen Campus soll ein Umfeld entstehen, in dem Studierende, Nachwuchsfor- schende sowie Kliniker interdiszipli- när ausgebildet werden. Das Ziel: Diejenigen, die in den Naturwissen- schaften das Leben im kleinskaligen Bereich erforschen, sollen auch das große Gesamte verstehen, Ärztinnen und Ärzte ihre Kenntnisse im Be- reich der Forschung erweitern. www.uni-goettingen.de/en/579892.html Vizepräsidentinnen gewählt Valérie Schüller kommt neu ins Präsidium – Hiltraud Casper-Hehne wiedergewählt (bie) Dr. Valérie Schüller wird neue hauptberufliche Vizepräsidentin für Finanzen und Personal der Universi- tät Göttingen. Die gemeinsame Fin- dungskommission aus Mitgliedern des Senats und des Stiftungsaus- schusses Universität hatte die 44-Jährige empfohlen. Der Senat der Universität wählte sie am 21. November 2018 mit großer Mehr- heit; der Stiftungsausschuss Univer- sität bestätigte den Vorschlag des Senats einstimmig. Schüller tritt ihr Amt voraussichtlich in diesem Früh- jahr an. Ihre erste Amtszeit beträgt sechs Jahre. „Dr. Valérie Schüller bringt die besten Voraussetzungen mit, um die beiden wichtigen Geschäftsbereiche Finanzen und Personal in den kom- menden Jahren erfolgreich zu füh- ren und weiterzuentwickeln“, so Dr. Wilhelm Krull, Vorsitzender der Findungskommission und des Stif- tungsausschusses Universität. Uni- versitätspräsidentin Prof. Dr. Ulrike Beisiegel erklärte: „Ich freue mich sehr, Dr. Valérie Schüller als neues hauptberufliches Mitglied im Präsi- dium begrüßen zu können.“ Rechtswissenschaftlerin Valérie Schüller, Jahrgang 1974, wurde 2006 am Fachbereich Rechts- und Wirtschaftswissenschaften der Uni- versität Mainz promoviert. Von 2005 bis 2016 war sie Geschäftsfüh- rerin des Fachbereichs, mit einer Un- terbrechung 2011/2012, als sie im Team für die Exzellenzinitiative der Universität Mainz mitarbeitete. Da- rüber hinaus war sie jeweils mehrere Jahre Senatorin, Mitglied im Haus- halts- und Strukturausschuss sowie Mitglied im Satzungsausschuss der Universität Mainz. Im Jahr 2016 wechselte Schüller als Kanzlerin an die Technische Hochschule Bingen, seit September 2017 ist sie Kanzlerin der Hochschule Mainz. Wiederwahl Am 12. Dezember 2018 wählte der Senat die Germanistin Prof. Dr. Hiltraud Casper-Hehne mit großer Mehrheit für eine weitere Amtszeit zur Vizepräsidentin. Casper-Hehne hat dieses Amt seit April 2009 inne und ist zuständig für das Ressort In- ternationales. Ihre fünfte Amtszeit beträgt vier Jahre. „Die Verlänge- rung der Amtszeit von Prof. Casper- Hehne ist für die internationale Ver- netzung der Universität Göttingen sehr wichtig“, so Universitätspräsi- dentin Prof. Dr. Ulrike Beisiegel. MBExC untersucht molekulare Maschinen, Einheiten in Zellen und ihre Funktion in Netzwerken. Glückliche Schweine, Sprachsa- lat und Fettnäpfchen, Detektive im Labor und vieles mehr: Die Vorfreude auf die 4. Nacht des Wissens mit ihren Mitmachakti- onen, Infoständen, Vorträgen, Experimenten und Führungen steigt. Am 26. Januar heißt es Er- leben, Staunen und die Stim- mung genießen. Ein Blick in das prall gefüllte Programmheft lässt mich erblassen. 370 – 75 – 25! So viele Veranstaltungen, näm- lich 370, bereiten unzählige Mit- arbeiterinnen und Mitarbeiter der 75 beteiligten Einrichtungen für eine Vielvielvielzahl an Besu- cherinnen und Besuchern vor. Das alles verteilt auf 25 Veran- staltungsorte. Bei solch beein- druckenden Zahlen bleibt mir die Spucke weg und Worte scheinen zu fehlen – naja, fast: Der Göttingen Campus rockt die Stadt und die Sonderbusse rollen wieder bis nach Mitter- nacht. Rock’n’Roll! Geradezu als Propheten entpuppen sich die Rolling Stones, die dazu bereits 1974 die passende Liedzeile ver- öffentlichten: I know it’s only rock’n’roll but I like it. Heike Ernestus Rock’n’Roll damit gesellschaftswissenschaftliche Initiative und gesellschaftspolitische Verantwortung heraus. Auch das zweite Schwerpunkt- thema zielt auf drängende gesell- schaftspolitische Fragen. „Öffentliche Güter im Sinne von Daseinsvor- sorge, Bildungs- und Gesundheits- einrichtungen, aber auch von Ver- waltung und Rechtspflege begrün- den Zusammenhalt, ermöglichen Institutionsvertrauen und schaffen gesellschaftlichen Wohlstand“ erläu- tert Vogel. Doch öffentliche Güter sind nicht alleine Ausdruck der Be- reitschaft zu gesellschaftlichem Aus- gleich, sondern in Zeiten des digita- len und demografischen Wandels auch Gegenstand von Konflikten. Das SOFI ist ein Forschungs- institut, das seit seiner Gründung im Jahr 1968 eng an die Sozialwissen- schaftliche Fakultät der Universität Göttingen angebunden ist. Seit 1983 hat der Verein SOFI den Sta- tus eines An-Instituts der Universi- tät. In den Forschungsprojekten des SOFI werden Fragen des Wandels der Arbeitswelt in seinen strukturel- len und persönlichen Folgen ebenso behandelt wie Aspekte des demo­ grafischen Wandels oder die gesell- schaftlichen Effekte wachsender Ungleichheit. www.sofi.uni-goettingen.de G L O S S E Valérie Schüller Hiltraud Casper-Hehne (her) Sehen, Hören, Riechen, Tasten: Die wichtigsten menschlichen Sinne besser verstehen will der Sonderfor- schungsbereich SFB 889 „Zelluläre Mechanismen sensorischer Verarbei- tung“. Die Deutsche Forschungsge- meinschaft unterstützt den SFB nun in einer dritten Förderperiode seit 1. Januar 2019 mit neun Millionen Euro für die nächsten vier Jahre. SFB-Sprecher ist Prof. Dr. Tobias Moser, Direktor des Instituts für Au- ditorische Neurowissenschaften der Universitätsmedizin Göttingen (UMG). Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 21 Arbeitsgrup- pen aus den verschiedenen Bereichen der Neurowissenschaften am Stand- ort Göttingen arbeiten in 19 Projek- ten zusammen. Beteiligt sind For- scherinnen und Forscher aus fünf Kliniken und Instituten der UMG, aus dem Europäischen Neurowissen- schaftlichen Institut (ENI-G), den Fakultäten für Biologie und Psycho- logie sowie für Physik der Universität Göttingen, aus dem Max-Planck-In- stitut für experimentelle Medizin und dem Max-Planck-Institut für Dyna- mik und Selbstorganisation sowie dem Deutschen Primatenzentrum. Die Sinne verstehen SFB verlängert

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