Gastwissenschaftler im Seminar für Kirchengeschichte


Gefördert durch die Alexander von Humboldt Stiftung wird Dr. Douglas Finn drei Sommer lang als Gastwissenschaftler am Theologischen Seminar der Universität Göttingen verbringen, wo er von dem Kirchenhistoriker Prof. Peter Gemeinhardt betreut wird.

Dr. Finns aktuelles Projekt, "Figuring Heaven in the Midst of Hell: The Character of Job in the Preaching of John Chrysostom," untersucht, wie der spätantike Bischof Johannes Chrysostomus die biblische Figur des Hiob als moralisches Vorbild für seine christlichen Gemeinden nutzte.

"Wir sehen, wie Chrysostomus sich nicht nur griechisch-römische philosophische, medizinische, rhetorische, künstlerische und theatralische Theorien und Praktiken aneignet, sondern auch, wie er sie benutzt, um die heidnische griechische Welt zu unterwandern.
Ich argumentiere, dass Chrysostomus in der Liturgie das Drama Hiobs rhetorisch inszeniert. Johannes konstruiert imaginative spirituelle Räume, in die er seine Gemeindemitglieder als aktive Teilnehmer an Hiobs Tortur hineinzieht. Die Geschichte und das Weltliche transzendierend, werden Johannes' Gemeindemitglieder in Tugend geschult, allmählich zum Ebenbild Gottes geformt und sogar in den Himmel versetzt. Seine Arbeit hilft zu zeigen, wie Chrysostomus' Verwendung biblischer exempla im Kontext seiner Soteriologie der Vergöttlichung verstanden werden muss. Auf dem Weg dorthin erfahren wir, wie der Bischof die Geschichten Hiobs erzählte, um neue christliche Subjektivitäten zu formen und soziale Praktiken rund um die Themen Reichtum und Armut, Ehe und Geschlechterbeziehungen, Kindererziehung und Bildung sowie Verkörperung, Leiden und Trauer zu gestalten.
Letztlich sehen wir, wie Chrysostomus versuchte, von der christlichen Liturgie ausgehend alle Aspekte des spätantiken häuslichen und öffentlichen Lebens sakramental zu verklären."


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Seminar für Kirchengeschichte