Bodeneigenschaften, organischer Stofftransport
Universität Göttingen, Institut für Geographie, AG Landscape Geoscience,
Prof. Dr. Elisabeth Dietze
,
Lea V. Deutsch
Boden und Schadstoffe nach dem Feuer
Wenn ein Waldbrand gelöscht ist, endet die Geschichte für den Boden noch lange nicht: Asche, verkohltes Material und mobilisierte Schad- und Nährstoffe verändern seine Zusammensetzung – oft über Jahre hinweg. Besonders relevant sind dabei polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) sowie Schwermetalle, die durch die historische Bergbauvergangenheit des Harzes ohnehin schon im Boden angereichert sind.Als koordinierende Arbeitsgruppe des Gesamtprojekts führen wir von der AG Landscape Geoscience alle Boden- und Schadstoffdaten der Brandflächen zusammen. Das kontrollierte Brandexperiment im GoslarFFRLab ist dabei als Reallabor angelegt: Es ergänzt unsere bereits laufenden Untersuchungen auf der unkontrolliert entstandenen Brandfläche an der Granetalsperre (Brandereignis Juni 2025), wo wir seit dem Ereignis Boden- und Oberflächenveränderungen dokumentieren. Während uns die Granefläche zeigt, wie sich ein realer Waldbrand ohne experimentelle Kontrolle auf den Stoffhaushalt auswirkt, erlaubt uns das kontrollierte Experiment erstmals, gezielt den Einfluss unterschiedlicher Löschstrategien unter vergleichbaren Ausgangsbedingungen zu untersuchen.
Wir nehmen systematisch Bodenproben – vor dem Experiment, direkt danach und nach jedem der folgenden beiden Winter – und analysieren sie auf organische Schadstoffe wie PAK sowie physikalische Eigenschaften wie Erosionsanfälligkeit und Wasserabweisung. Ergänzend fließen die am Lehrstuhl für Physische Geographie und Geoökologie der RWTH Aachen gemessenen Schwermetallgehalte der gleichen Proben in unsere Auswertung ein.
Genau hier liegt der Kern unserer Analyse: Wir setzen die Konzentrationen von PAK und Schwermetallen direkt in Beziehung zu den vier getesteten Löschstrategien. Verändert der Einsatz von Netzmitteln oder Retardants, wie stark und wie schnell Schadstoffe im Boden mobilisiert werden? Und wie wirkt sich das auf die Bodenerosion in Richtung angrenzender Gewässer aus? So verbinden wir Bodenchemie direkt mit Fragen des Gewässer- und Trinkwasserschutzes – und leiten daraus ab, welche Löschmethode Mensch und Umwelt am wenigsten belastet.
Brandfläche an der Granetalsperre Juni 2025 und Probennahme von verbranntem Boden
Fotos: Lea Deutsch
Projektleitung:
Prof. Dr. Elisabeth Dietze
Goldschmidtstraße 5, 37077 Göttingen
edietze@uni-goettingen.de