Wessen Geschichte wird im Unterricht behandelt? Wer findet sich in ihm wieder und wer fühlt sich – andersherum – von den Themen, Materialien und Methoden aus dem Lehrplan und in der Unterrichtspraxis nicht angesprochen oder repräsentiert? Geschichte und Religion sind Unterrichtsfächer, die mit verschiedenen (historischen) Quellen arbeiten, um Schüler:innen so in die Wissenschaft der Fächer einzuführen. Dieser fachdidaktische Kern liegt auch dem Forschungsprojekt bring your own source zugrunde. Dabei gehen wir allerdings nicht – wie sonst üblich – von der Quelle aus, sondern stellen die Schüler:innen an den Anfang unserer Überlegungen. Wir wollen wissen, welche Quellen sie interessieren und wir möchten erfahren, warum.
Mit Blick auf die zunehmende sprachlich-kulturelle Heterogenität der Schulklassen adressieren wir mit diesem geisteswissenschaftlichen Ansatz auch Schüler:innen, die unterschiedliche sprachliche, kulturelle und religiöse Hintergründe haben. Sie bringen ihre Sprache in ihrer Quelle und ihr geschichtskulturelles Verständnis durch die Wahl ihrer Quelle in den Unterricht ein. Für die Schüler:innen mit Migrationshintergrund kann das Verständnis der Quellen auf zwei Ebenen betrachtet werden: Erstens benötigen diese Schüler:innen das notwendige Wissen und die kulturellen Kompetenzen, um die historischen und religiösen Hintergründe der (multimodalen) Quellen zu verstehen. Zweitens sind die sprachlichen Fähigkeiten entscheidend, um mit den mehrsprachigen Quellen umzugehen und ihre Kontexte richtig zu erfassen.
Diese konzeptionellen Ansätze untersuchen wir fach- und institutionsübergreifend.
Fachreferent*in im Projektmanagement der ZEWIL, stellv. Gleichstellungsbeauftragte
Institut für Geschichte
TU DresdenBring your own source
In Anbetracht zunehmend heterogener Klassengemeinschaften an allen Schulformen stellen sich diese Fragen, die sowohl auf den Inhalt, als auch auf die didaktische Form der Vermittlung im Unterricht zielen. Ganz besonders deutlich wird dieses Repräsentanz- und damit auch Relevanzproblem in geisteswissenschaftlichen Fächern wie Geschichte oder Religion. Deshalb begegnen wir dem Problem in diesen Fachdidaktiken, indem wir das Arbeiten mit und an der Quelle ins Zentrum unserer Überlegungen stellen.
Damit folgen wir einem – wenn nicht gar dem – wesentlichen Paradigma aktueller geschichtsdidaktischer Überlegungen: dem Quellenparadigma. Wir gehen dabei aber nicht – wie sonst üblich – von der Quelle aus, sondern wir stellen den Schüler an den Anfang unserer konzeptionellen Überlegungen. Damit nehmen wir ihn „als kleinen Historiker“ ernst und nutzen sein „Orientierungsbedürfnis“ zur Erschließung und Vermittlung von Vergangenheit.
Auch aus religionspädagogischer Perspektive ist die Idee, über die von den Schüler:innen mitgebrachte Theologie ins Unterrichtsgespräch und in eine reflektive Auseinandersetzung zu kommen, ein wichtiges Anliegen. Eine von den Schüler:innen ausgehende Auswahl theologischer und historischer Quellen für den Religionsunterricht, an welcher sich solche Überlegungen zeigen lassen, wäre demnach ein erfolgversprechender Ausgangspunkt.
BYOS richtet sich an Schüler:innen, Lehrkräfte aller Schulformen, Studierende, interessierte Forschende.Die Idee
Institutionelle Rahmung
Die Ziele
Ansprechpartner:innen
Dr. Melanie Lukas
Prof. Dr. Corinna Link
Didaktik der Geschichte
Corinna.Link@tu-dresden.de