Erfolgreicher Abschluss des Praxisprojekts in Kooperation mit der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen
Warum verbringen Ärzte und medizinische Fachangestellte so viel Zeit mit Verwaltungsaufgaben – und was lässt sich dagegen tun? Diese scheinbar einfache Frage berührt einen Kernpunkt unseres Gesundheitssystems. Während Patienten medizinische Versorgung erwarten, sehen sich Gesundheitsdienstleister zunehmend mit bürokratischen Aufgaben konfrontiert, die wertvolle Zeit und Energie kosten.
Im Rahmen eines Praxisprojekts an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Göttingen hat sich ein Team aus fünf Studierenden genau mit dieser Frage beschäftigt. In Zusammenarbeit mit dem Kassenärzteverband Niedersachsen (KVN) führten sie drei Monate lang Interviews mit Ärzten und Arzthelferinnen durch, um realistische und umsetzbare Strategien zur Verringerung des Verwaltungsaufwands zu ermitteln. Die wahre Stärke dieses Projekts lag in seiner Praxisorientierung: Anstelle abstrakter Theorien stützte es sich auf die gelebten Erfahrungen derjenigen, die im Gesundheitswesen tätig sind.
Die Arbeit des Teams ergab drei Schlüsselbereiche, in denen sinnvolle Veränderungen ansetzen könnten:
1. Vereinfachung und Vereinheitlichung von Formularen.
Die Herausforderung bei Formularen im Gesundheitswesen liegt nicht nur in ihrer Anzahl, sondern auch in ihrer uneinheitlichen Gestaltung und unklaren Struktur. Oft enthalten diese Formulare verwirrende Formulierungen, überflüssige Fragen oder Aufforderungen zur Angabe von Informationen, die für die Behandlung irrelevant sind. Klare, standardisierte Dokumente würden Nachfragen reduzieren und Zeit sparen.
2. Digitalisierung, die Arbeitsabläufe wirklich verbessert.
Trotz jahrelanger Diskussionen über die Digitalisierung des Gesundheitswesens sieht die Realität oft anders aus: Ausdrucke, Scans und manuelle Arbeitsschritte dominieren nach wie vor viele Prozesse. Was fehlt, sind durchgängige digitale Arbeitsabläufe, zuverlässige Schnittstellen und zentralisierte Datenbanken – also Werkzeuge, die Reibungsverluste beseitigen, anstatt neue zu verursachen.
3. Ein pragmatischer Umgang mit geringfügigen finanziellen Unstimmigkeiten.
Eine besonders auffällige Erkenntnis aus dem Projekt: Selbst die kleinsten Erstattungsanträge – die sich auf nur wenige Euro belaufen – werden einzeln geprüft, wobei die Kosten dafür oft den betreffenden Betrag übersteigen. Eine Anhebung der Schwelle für geringfügige Beträge könnte den Verwaltungsaufwand erheblich reduzieren, ohne dass die notwendige Kontrolle beeinträchtigt würde.
Die Schlussfolgerung ist eindeutig: Der Abbau von Bürokratie im Gesundheitswesen ist möglich – wenn wir wirklich zuhören. Nicht nur über die Betroffenen, sondern gemeinsam mit ihnen. Dieses Projekt hat gezeigt, wie wertvoll ein solcher Dialog sein kann – und wie Studierende einen sinnvollen Beitrag leisten können, nicht nur durch Analysen, sondern auch durch die Entwicklung praktischer Lösungen für reale Probleme.
Unser besonderer Dank gilt Dr. Philip Degener und Jan Luca Klenke (KVN) sowie allen teilnehmenden Ärzten und medizinischen Fachangestellten, deren Offenheit und Unterstützung dieses Projekt erst möglich gemacht haben.
