Aus zweiter Hand – Found Footage im ethnografischen Film
CVA-Filmschau am 15.01.2026 um 19.00 Uhr
Kino Lumiere, Geismar Landstraße 19, 37083 Göttingen
Im Curriculum Visuelle Anthropologie (CVA) des Göttinger Instituts für Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie erproben Master-Studierende die Methoden ethnografischer Filmarbeit. Im CVA-Jahrgang 2023/25 sind vier Filme zum Thema „Aus zweiter Hand – Found Footage im ethnografischen Film“ entstanden. „Einen Schritt weiter“ erzählt die Geschichte der Rechtsanwältin und Kommunalpolitikerin Angelika Lex und taucht mithilfe von Archivaufnahmen in die sozialen Kämpfe in München der späten 80er Jahren ein. „Caution Colonialism“ begleitet die OvaHerero-Aktivistin Ningiree Kauvee auf ihrer kolonialen Spurensuche in Göttingen. In „A Baloch Filmmaker Abroad“ erzählt Haneef Shareef im Angesicht seiner eigenen filmischen Arbeiten, wie er versucht, das Medium Film als Mittel des politischen Kampfes für sein Herkunftsland Belutschistan zu nutzen. In „Waldgestalten – ein Generationenprojekt“ macht Förster Olaf Oldenburg deutlich, dass die Gestaltung von Wald zwischen vergangenen Entscheidungen und aktuellen Herausforderungen als Generationenprojekt zu begreifen ist.
Die Filmemacher*innen sind anwesend. Mit anschließender Diskussion.
Die Filme im Einzelnen:
Einen Schritt weiter
Von Benja Leutkart, Korbinian Schönwetter und Johannes Stoll, 2025, 40 Min.
Angelika Lex war eine engagierte Rechtsanwältin und Kommunalpolitikerin, die sich bis zu ihrem Tod 2015 konsequent für die Benachteiligten unserer Gesellschaft einsetzte. Ihr Partner Siegfried Benker und ihre Tochter Miriam Benker geben in dem Film Einblicke in ihr Leben und Wirken. Entlang Angelika Lex‘ Biografie tauchen die Zuschauenden in die sozialen Kämpfe und Ereignisse in München ab den späten 80er Jahren ein.
Caution Colonialism
Von Elisa Erpenbeck und Mara Müller mit Ningiree Kauvee, 2025, 29 Min.
Die OvaHerero-Aktivistin Ningiree Kauvee reist von Namibia nach Göttingen, wo koloniale Vergangenheit bis heut wirkt. Ihre Mission: verborgene Spuren sichtbar machen. Der Film begleitet sie bei der Vorbereitung eines performativen Stadtrundgangs. Ningiree Kauvee besucht die Anthropologische Sammlung und die Kolonialschule in Witzenhausen. Vor Denkmälern und Gräbern erkennt sie Ungleichheiten: Täter werden geehrt, Opfer bleiben namenlos. Der performative Stadtrundgang durch Göttingen wird so zu einem Akt der Selbstermächtigung.
A Baloch Filmmaker Abroad
Von Raffael Siegert, 2025, 22 Min.
Haneef Shareef ist Schriftsteller, politischer Aktivist und Filmemacher. In seiner Heimat Belutschistan, aus der er wegen politischer Verfolgung fliehen musste und deswegen 2014 nach Deutschland kam, ist er eine kleine Berühmtheit. Der Film beleuchtet Haneef Shareefs Schaffen – gestern wie heute. Er gibt Einblicke in sein früheres filmisches Werk und zeigt ihn, wie er aktuell das Medium für sein Ziel – einen unabhängigen Staat Belutschistan – nutzen will.
Waldgestalten – ein Generationenprojekt
Von Isabelle Oldenburg und Joline Schulz, 2025, 28 Min.
Seit über dreißig Jahren pflegt Olaf Oldenburg ein Waldrevier in der Eifel. Die Dokumentation begleitet ihn und weitere im Forst tätige Menschen und zeigt den Wald als Ökosystem und zugleich als Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen. Zwischen alten Spuren vergangener Entscheidungen und aktuellen Herausforderungen wird sichtbar, dass Waldgestaltung ein Generationenprojekt ist. Der Film macht erfahrbar, wie menschliches Handeln und natürliche Prozesse ineinandergreifen – und lädt dazu ein, den Wald mit neuen Augen zu betrachten.