Geokulturelles Erbe im Harz: Hybride Montanlandschaften über und unter Tage in Raum und Zeit – Quo Vadis? (GEHA-Projekt)

Projekttitel: Geokulturelles Erbe im Harz: Hybride Montanlandschaften über und unter Tage in Raum und Zeit – Quo Vadis? (GEHA-Projekt)

Förderprogramm: Programmausschreibung Pro*Niedersachsen: „Kulturelles Erbe – Sammlungen und Objekte“ vom Nds. Ministerium für Wissenschaft und Kultur

Finanzierung: Gefördert durch Mittel aus zukunft.niedersachsen

Leitung: apl. Prof. Dr. Lasafam Iturrizaga, Abt. Physische Geographie / Hochgebirgsgeographie
Geographisches Institut, Universität Göttingen

Laufzeit: 01.10.2025–31.03.2027

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Projektinhalte

Die Nutzung von Metallen ist ein integraler Bestandteil der globalen Gesellschaft mit einer weit-reichenden kulturgeschichtlichen Vergangenheit. Die mit dem Bergbau verbundenen Veränderungen der Landschaft bis in den geologischen Untergrund hinein haben bereits in der frühen Menschheits-geschichte begonnen und weisen in den letzten Jahrhunderten eine exponentielle Zunahme auf. Durch anthropogene Prozesse wurden bis heute mehr Sedimente als durch natürliche Prozesse verlagert, wobei bergbauliche Aktivitäten einen maßgeblichen Anteil haben. Es entstehen auf globaler Ebene geomorphologische Hybridlandschaften aus der Verschmelzung von natürlichen und anthropogenen Prozessabläufen, die einen neuartigen untertägigen geomorphologischen Formenschatz aufweisen. In den Geowissenschaften wird der Mensch als geologischer Faktor mit einer globalen Reichweite seiner Aktivitäten bewertet. Doch die montanwirtschaftlichen Aktivitäten basieren nicht primär auf Naturgesetzen, sondern werden durch sozio-politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen im kulturellen Kontext der jeweiligen Zeitepoche beeinflusst.

Mit einer bis mindestens in die Bronzezeit zurückreichenden Bergbaugeschichte zählt der Harz zu einer der bedeutendsten Montanregionen Europas mit einer intensiv veränderten Landschaft, die als exemplarisch für die enormen Umweltveränderungen in historischer Zeit gelten kann. Entstanden ist verborgen im Untergrund ein komplex aufgebautes unterirdisches Hohlraumsystem mit über hunderte von Kilometern langen Strecken, Stollen und Abbauen bis in eine Tiefe von rund 1000 m. Oberirdisch präsentiert sich ein Relief aus Menschenhand mit Pingen, Meilerplätzen und Halden sowie eine künst-liche Gewässerlandschaft als Zeugnis der Oberharzer Wasserwirtschaft mit ihren Teichen und Gräben. In einem neuen kulturgeomorphologischen Ansatz, der die geologisch-geomorphologischen sowie kulturgeschichtlichen Rahmenbedingungen berücksichtigt, soll die montangeschichtliche Entwicklung am Fallbeispiel des St. Andreasberger Reviers untersucht werden. Ziel ist es, die Landschafts- und Kulturgeschichte aus interdisziplinärer Sicht an der Schnittstelle von Lithosphäre, Reliefsphäre und Anthroposphäre zu analysieren. Im Fokus des Projektes steht das historische Bergwerk der Grube Samson als Teil des UNESCO Welterbes im Harz. Es war das bedeutendste Bergwerk in St. Andreasberg mit einer rund 400-jährigen Förderzeit von Silber und besaß einer der tiefsten Schächte im 19. Jhd. weltweit.

In dem Projekt wird die vertikale Entwicklung der Grubenräume untertage anhand der Auswertung von Saigerrissen, historischem Material sowie der Erstellung von 3D-Modellen in raum-zeitlicher Dimension rekonstruiert, die bergbaulichen Prozesse aus montanarchäologischer Sicht analysiert und die geomorphologischen Formen typisiert. Zum anderen steht die Entwicklung der anthropo-geomorphologischen Landschaftsformen übertage und die Veränderung der Bergwerksanlagen im Forschungsinteresse. Die Forschungsergebnisse sollen im Rahmen des Geocultural Heritage-Konzepts im Bergwerksmuseum der Grube Samson digital im Kontext der geographischen Umweltbildung im Hinblick auf nachhaltige Ressourcennutzungen vermittelt werden.

Projektbeteiligte

apl. Prof. Dr. Lasafam Iturrizaga
Geographisches Institut, Universität Göttingen
Abt. Physische Geographie / Arbeitsbereich Hochgebirgsgeographie
Goldschmidtstr. 5
37077 Göttingen

Georg Drechsler, M.A.
Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege
Arbeitsstelle Montanarchäologie
Bergtal 18
38640 Goslar

Dipl.-Forstwirt Christian Barsch
Bergwerksmuseum Grube Samson - Bergwerk | Museum | Erlebnis
Am Samson 2
37444 St. Andreasberg