
GOOD PRACTICE LEHRBEISPIELE
Wintersemester 2025/26
"Die Vorlesung "Sozialgeschichte von Erziehungs-, Bildungs- und Sozialisationsverhältnissen" ist um vier didaktische Prinzipien herum aufgebaut: Lebensweltnähe, Forschung im Prozess, Gegenwartsbezug und Archivbegegnung. Die Arbeit mit Alltagsquellen ermöglicht Studierenden einen persönlichen Zugang zur Geschichte – regional verwurzelt, an ihrer Altersgruppe orientiert und an ihre Lebenswirklichkeit anschlussfähig, beispielsweise wenn wir uns mit Tagebüchern von Jugendlichen am Anfang des 20. Jahrhunderts auseinandersetzen. Durch die Einbindung von Forschenden, die im Format des Werkstattberichts Einblick in laufende Projekte der historischen Erziehungswissenschaft geben, wird außerdem Forschung nicht als fertiges Produkt, sondern als offener Prozess erfahrbar. Die Herausarbeitung historischer Argumentationslinien macht zudem sichtbar, dass viele Deutungsmuster, die heute gesellschaftliche Debatten prägen, eine lange Vorgeschichte haben – und schärft so den Blick für die Gegenwart. Den vielleicht unmittelbarsten Eindruck hinterlässt der Besuch im Universitätsarchiv: In der Atmosphäre historischer Bestände halten Studierende selbst Akten und Fundstücke in den Händen und begegnen Geschichte ihrer Bildungsinstitution als konkretem Gegenstand."
"Offensichtlich ist es schwierig, die riesige Sahara und ihre Randgebiete (Sahel) geographisch und politisch eindeutig zuzuordnen; mal werden sie zu Nord-, mal zu Westafrika gezählt. Häufig fasst man sie als Transiträume, als gebe es hier keine Bewohner und als ginge es darum, sie möglichst schnell zu durchqueren. Seit der Jahrtausendwende allerdings finden die Sahara und der Sahel vermehrt mediale Aufmerksamkeit als Operationsgebiet von Rebellen, Schmugglern und djihadistischen Gruppen. Unter der Fragestellung: Sahara und Sahel, ein Hotspot der Globalisierung? Werden in diesem Seminar die Besonderheiten der Sahara und des Sahel erarbeitet. Wie in allen meinen Veranstaltungen versuche ich, an empirischen Beschreibungen theoretische Fragestellungen erarbeiten zu lassen. Zugleich werden an geeigneter Stelle die methodologischen und epistemischen Besonderheiten eines anthropologischen Ansatzes hervorgehoben."
"Im Seminar lernten die Studierenden bereits früh im Studium den Prozess sportwissenschaftlicher Forschung kennen und entwickelten ein eigenes Forschungsprojekt. Im Mittelpunkt der ersten Sitzungen stand dabei die Entwicklung einer wissenschaftlichen Fragestellung aus einer eigenen Idee sowie die Auswahl eines dazu passenden theoretischen und methodischen Zugangs. Hierbei wurden die theoretischen Grundlagen mit Einblicken in die bestehende Forschung sowie Planungsphasen zum eigenen Studiendesign verknüpft. Im weiteren Verlauf standen die individuellen Forschungsprojekte zunehmend im Fokus. Kurze inhaltliche Impulse wechselten sich mit individuellen Arbeitsphasen sowie Raum für Rückfragen und Diskussionen ab. Die Studierenden lernten, Entscheidungen im Forschungsprozess kritisch zu hinterfragen, ihre Vorgehensweise darzustellen und Ergebnisse wissenschaftlich zu kommunizieren. Mir war es besonders wichtig, eine Lernumgebung zu schaffen, in der Fragen ausdrücklich willkommen sind und wissenschaftliches Arbeiten als gemeinsamer Entwicklungsprozess verstanden wird. Durch die enge Begleitung und den gegenseitigen Austausch wurden die Studierenden dabei unterstützt, Unsicherheiten zu überwinden und zunehmend sicherer wissenschaftlich zu arbeiten. Die entstandenen Projekte wurden in einem Forschungsbericht sowie der Präsentation im Parallelseminar „Sportwissenschaftlicher Kongress“ aufbereitet. Ausgewählte Projekte wurden zudem bei einer sportwissenschaftlichen Tagung eingereicht und angenommen. Dadurch können einige Studierende ihre Projekte einem breiteren Fachpublikum vorstellen."
(Seminar und Übung)
"Das Seminar „Mehrperspektivität im individualbasierten Sport“ aus dem Modul „Bewegungsfelder mehrperspektivisch kennenlernen und didaktisch reflektieren“ zielt darauf ab, unterschiedliche individualbasierte Bewegungsfelder aus verschiedenen Sinnperspektiven zu erschließen und deren Bedeutung für die Gestaltung eines vielfältigen und motivierten Sportunterrichts zu reflektieren. Die Studierenden erproben Inhalte praktisch, reflektieren diese gemeinsam und diskutieren deren Potenziale und Herausforderungen für den Sportunterricht. Dabei steht die Frage im Vordergrund, wie Sportunterricht motivierend, angstfrei und für alle zugänglich gestaltet werden kann. Die Gestaltung der Lehrveranstaltung orientiert sich zugleich an aktuellen Forschungsergebnissen (Pfeifer et al., 2026), wonach positive Emotionen der Lehrperson mit einer höheren Unterrichtsqualität einhergehen – insbesondere durch unterstützende Lehrer*innen-Schüler*innen-Beziehungen, gelingendes Klassenmanagement und eine stärkere kognitive Aktivierung der Lernenden. Diese Zusammenhänge spiegeln sich auch in den Rückmeldungen der Studierenden wider. Die emotionale Haltung der Lehrperson wird als „freundlich und motiviert“, mit „guter Laune [die] einen mitreißt“ beschrieben, man habe „Lust, vor dem Kurs in den Kurs zu gehen“. Die Beziehungsgestaltung zeigt sich darin, dass man „sich nicht bloßgestellt“ fühle, „Unterschiede, Ängste und Unsicherheiten respektiert und berücksichtigt“ würden und eine „sehr angenehme Atmosphäre“ herrsche. Zugleich werden die Verbindung von Theorie und Praxis, Reflexionsrunden und „jede Woche etwas Neues zu lernen“ als kognitiv anregend erlebt. Übertragbar auf andere Lehrveranstaltungen erscheint insbesondere die Erkenntnis, dass eine wertschätzende, emotional positive und zugleich kognitiv aktivierende Lernumgebung die Beteiligung, Reflexionsfähigkeit und Offenheit für neue Lerninhalte fördert – selbst bei zunächst ungewohnten oder herausfordernden Themen."
"Seit 2016 halte ich die Vorlesung „Imagining Hindutva - Hindu-Nationalismus und demokratische Politik in Indien“, um die rasanten gesellschaftlichen Veränderungen in der indischen Gesellschaft und Politik zu verstehen und zu vermitteln. Der vom CeMIS (Centre for Modern Indian Studies) angebotene und auf Englisch unterrichtete Kurs beginnt mit einem Abschnitt über die Genealogie des hinduistischen Nationalismus, in dem wir Texte seiner wichtigsten Ideologen (Savarkar, Golwalkar, Upadhyaya) lesen. Wir befassen uns mit der Ideologie und der Struktur der RSS (Rashtriya Swayamsevak Sangh), der Organisation, die den hinduistischen Nationalismus anführt. Wir untersuchen die Mobilisierungsstrategien, die von der RSS-Organisationenfamilie orchestriert wurden – die Ram-Tempel-Bewegung in den 1980er und 1990er Jahren sowie die Gewalt in Gujarat von 2001–2002, die den hinduistischen Nationalismus beflügelten und ihn ins Zentrum der indischen Politik rückten. Vor dem Hintergrund des Machtantritts der von Narendra Modi geführten BJP (Bharatiya Janata Party) im Jahr 2014 befasst sich der letzte Abschnitt mit dem Hindu-Nationalismus als staatlicher Macht in der Gegenwart, wobei die vielfältigen institutionellen und ideologischen Veränderungen detailliert beschrieben und die Auswirkungen auf die Zukunft der säkularen Demokratie Indiens kritisch bewertet werden. Als Filmemacher und Filmstudent nutze ich Dokumentarfilme intensiv als pädagogisches Instrument und versuche, in den Seminar- und Übungsteilen des Kurses einen Dialog zwischen Text und Bild herzustellen."
"Fantastische Woche. Tolle Stimmung, Spaß und Humor, viele Inhalte, einwandfreie Orga – vielen, vielen Dank für die ganze Woche und euer Engagement und euren Einsatz.“ - so evaluiert ein*e Teilnehmer*in unsere Exkursion „Wintersport“. Im Rahmen der Exkursion konnten die Teilnehmenden grundlegende Kenntnisse im Ski- oder Snowboardfahren erwerben und dabei je nach Interesse eines der beiden Sportgeräte auswählen. Neben der Vermittlung technischer Grundlagen – von Kanten, Belasten und Drehen bis hin zum Kurzschwung – wurde auch die methodisch-didaktische Gestaltung des Anfänger*innenunterrichts thematisiert. Ergänzend wurden Themen wie Nachhaltigkeit im Schneesport, die Planung und Durchführung von Exkursionen sowie Erste Hilfe am Berg behandelt. Doch auch darüber hinaus gelang es uns im Teamteaching, mit Unterstützung von zwei studentischen Hilfskräften (Stina Ludwig und Klaas Wolken) und unter Einbindung der Studierenden eine motivierende Lernatmosphäre zu gestalten. So stellte die Kombination aus sportpraktischem Lernen, Naturerlebnis, einer sehr gastfreundlichen Unterkunft und dem Gemeinschaftsgefühl in der Gruppe nicht nur für die Studierenden, sondern auch für uns Lehrende eine gewinnbringende Erfahrung dar."
"Mehrsprachigkeit gewinnt im Zuge der Globalisierung zunehmend an Bedeutung und wird gesellschaftlich als Ressource anerkannt. Während sie im schulischen Kontext häufig auf den Fremdsprachenunterricht begrenzt bleibt, ist die Einbeziehung lebensweltlicher Mehrsprachigkeit in allen Fächern aus inklusiver Perspektive zentral. Das Seminar griff aktuelle Forschungsansätze und Methoden der inklusiven Bildung auf und führte die Studierenden an die eigenständige Entwicklung von Lehrforschungsprojekten zu sprachlicher Vielfalt und Heterogenität in schulischen Lernprozessen heran. Das eingesetzte Blended-Learning-Format ermöglichte eine für ein Blockseminar besonders gewinnbringende Verzahnung von Selbststudium und Präsenzarbeit: Theoretische Grundlagen wurden vorab über digitale Lernbausteine in ILIAS (Lektüre, Videos, Podcasts, Reflexionen) erarbeitet und von den Studierenden als aktivierende und zielgerichtete Vorbereitung wahrgenommen. Den Forschungsstand erschlossen sich die Studierenden kollaborativ, indem sie unterschiedliche Studien analysierten und auf einer TaskCards-Pinnwand aufbereiteten. Die Arbeitsteilung erlaubte es, den Forschungsstand in seiner inhaltlichen und methodischen Breite abzudecken und eine gute Basis für die Forschungsarbeiten zu schaffen. Die intensive Vorbereitung bildete die Grundlage für sehr interaktive Präsenzphasen und qualitativ anspruchsvolle studentische Forschungsprojekte. Übertragbar sind insbesondere die Kombination aus strukturiertem Selbststudium, kollaborativer Wissensaufbereitung und forschungsorientiertem Lernen.“
"Kolloquien sind bei Lehrenden sehr beliebt, weil hier vor allem Studierende vortragen und präsentieren (z.B. Projektideen für Abschlussarbeiten, Skizzen für Forschungsübungen) und die Lehrperson sich auf kluge Kommentare, konstruktive Nachfragen und gutes Moderieren beschränken kann. Bei dem hier ausgezeichneten „Nachbereitungskolloquium für studentische Praxisprojekte“ der Ethnologie war das nicht anders, und deshalb gehört und gebührt diese Auszeichnung in erster Linie den Studierenden selbst! Sie sind es, die mit ihren Erfahrungsberichten über Praktika in ganz unterschiedlichen Praxisfeldern im In- und Ausland die vielfältige und oft kritische Anwendbarkeit ihres ethnologischen Wissens unter Beweis stellen und nicht selten sich selbst und ihre Zuhörer damit überraschen, welche Skills und Fertigkeiten sie in ihrem Studium bereits erworben und welche Anforderungen sie gemeistert haben! Einige bescheidene generelle Lehren lassen sich dennoch ableiten: Viele Fächer bieten die Möglichkeit zur Anrechnung von Praktika, aber kein Format, in dem ihre Studierenden darüber berichten können. Da wird eine großartige Chance der Präsentation beruflicher Möglichkeiten verschenkt: „Ich fand die Veranstaltung sehr spannend, es war schön, mehr über die Praktika anderer Studierender zu erfahren und gemeinsam über Eindrücke zu sprechen - für diese Möglichkeit bin ich sehr dankbar“ (offener Evaluationskommentar). Für Kolleg:innen, die ähnliche Formate leiten, in denen ein ganzer Arbeitstag mit studentischen Vorträgen gefüllt ist: Eine Pause von 10 Minuten nach maximal zwei Vorträgen (und eine längere Mittagspause) hat sich bewährt, eine tagungsähnliche Atmosphäre mit einem schön gestalteten Verpflegungstisch mit Heiß- und Kaltgetränken, Snacks und Obst ebenfalls! Eine Teilnehmerin hat dies als „liebevolle Bewirtung“ gewürdigt, obwohl die Studierenden selbst zu dieser Verpflegung beisteuern."
"In dem Seminar beschäftigten wir uns mit zeitgenössischen Dynamiken am Horn von Afrika. Das ist eine kulturell vielfältige und geostrategisch wichtige Region am Golf von Aden, gegenüber der arabischen Halbinsel und südlich der Sahelzone. Spannungen zwischen „Wir-Gruppen“ inklusive Klans und Ethnien, die Entstehung militanter islamischer Gruppen, Konflikte zwischen Staaten um regionale Macht und (knappe) Ressourcen sowie globale Einflussnahmen prägen die aktuelle Lage am Horn. Hinzukommen seit Jahren anhaltenden Migrations- und Fluchtbewegungen, die zur Entstehung von Diasporen in der ganzen Welt und zu transnationalen Beziehungen führen, die wiederum die Geschehnisse am Horn von Afrika beeinflussen. Vertiefend diskutierten wir, basierend auf Literatur, konkrete Fallbeispiele zu den genannten Themen. Wir arbeiteten uns besonders in den somalischen Kontext ein, zu dem ich als Ethnologe selbst viele Jahre geforscht habe. Somit konnte ich Diskussionen um ethnographische Details bereichern und den Studierenden tiefe Einblicke geben, die diese wiederrum für das Verständnis der von ihnen gelesenen Texte nutzen konnten. Die Studierenden trugen mittels Kurzreferaten zur inhaltlichen Ausgestaltung des Seminars bei. Insgesamt herrschte eine angeregte Diskussionsatmosphäre."
"Die Veranstaltung „Einführung in die Soziologie“ ist der erste universitäre Berührungspunkt vieler Studierenden mit den Themenfeldern der Soziologie. Ziel des Tutoriums ist es, die in der zugehörigen Vorlesung vorgestellten Grundbegriffe und Themen anhand einer Auswahl von klassischen und modernen Texten zu beleuchten und an einzelne Stellen weiter zu vertiefen. Dies geschieht im Tutorium in gemeinsam geführten Diskussionen auf Grundlage der zuvor von den Studierenden individuell vorbereiteten Texte. Als studentische Tutorin sehe ich hier insbesondere die Aufgabe im Tutorium neben der fachlichen Betreuung ein offenes und gleichberechtigtes Diskussionsklima zu schaffen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es gerade in den ersten Semestern des Studiums sehr helfen kann, die aus studentischer Perspektive herausfordernden Themen zu erkennen und zu diskutieren. In diesem Sinne sehen ich mich als Tutorin auch als Bindeglied zwischen den Studierenden und dem Vorlesungsdozenten. Darüber hinaus ist es mir in dem Einführungstutorium wichtig, den Raum neben Fragen über thematische Inhalte, auch für allgemeinere Fragen über das Studium, Prüfungen, andere Module oder persönliche Erfahrungen der Studierenden zu öffnen. Dadurch kann ein niedrigschwelliger Einstieg in die spannenden Themengebiete der Soziologie unterstützt, und so der Grundstein für ein erfolgreiches Studium gelegt werden.“
Außerdem gratuliert die Sozialwissenschaftliche Fakultät den folgenden Lehrenden, die schon in den vergangenen Semestern durch good practice Lehrbeispiele auffielen, und die auch im Wintersemester 2025/26 erneut beispielhafte Lehre (mit dem gleichen Titel) abhielten:
- Dr. Natalie Lang (Wintersemester 2024/25)
- Sonja Lewin (Wintersemester 2022/23)
- Prof. Dr. Sarah Nies (Wintersemester 2023/24)