Presseinformation: Rätseln des Universums auf der Spur: Kosmische Daten nun für alle zugänglich
Nr. 79 - 03.06.2026
Forschende des Projekts HETDEX stellen Datensatz aus Beobachtung des Nachthimmels bereit
(pug) Nach Abschluss der bislang größten Durchmusterung des frühen Universums hat das Team des Hobby-Eberly Telescope Dark Energy Experiment (HETDEX) heute seinen umfangreichen Datensatz der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Mit dem halben Petabyte an Daten können Forschende und Interessierte der Astronomie nun untersuchen, wie sich die ersten Galaxien gebildet und verändert haben, die Verteilung von Sternen und Gas vermessen, den Kosmos kartieren und Objekte erforschen, die in herkömmlichen Durchmusterungen schwer zu finden sind. Die Daten beruhen auf Beobachtungen des Nachthimmels im Westen Texas mit einem der größten optischen Teleskope der Welt: dem Hobby-Eberly-Teleskop. Dieses wird von der Universität Göttingen, der University of Texas at Austin, der Pennsylvania State University und der LMU München betrieben. Die Freigabe der Daten wurde in der Fachzeitschrift The Astrophysical Journal Supplement Series angekündigt.
„Das Hobby-Eberly-Teleskop ermöglicht uns absolute Spitzenforschung auf dem Gebiet der Astrophysik“, sagt Prof. Dr. Ansgar Reiners von der Universität Göttingen. Es hat von 2017 bis 2024 am McDonald Observatory in Texas einen Bereich des Nachthimmels vermessen, der einer Fläche von rund 2000 Vollmonden entspricht, und dabei eine Karte des fernen Universums erstellt. Diese nutzen Forschende im Projekt HETDEX, um das Rätsel der Dunklen Energie zu lösen – jener unbekannten Größe, die dazu führt, dass sich das Universum immer schneller ausdehnt.
Zu diesem Zweck kartiert das Team die Positionen von über einer Million früher Galaxien und sammelt dabei auch Daten über den gesamten Raum dazwischen. Prof. Dr. Karl Gebhardt, HETDEX-Projektleiter von der University of Texas at Austin, erklärt: „Wir wählen keine bestimmten Objekte zur Beobachtung aus. Stattdessen richten wir eins der größten Teleskope der Welt auf den Himmel und schauen, was dort draußen zu sehen ist. Wir gehen fest davon aus, dass sich in den Daten außergewöhnliche Entdeckungen verbergen.“
HETDEX nutzt für seine Beobachtungen eine Technik namens Spektroskopie. Dabei wird Licht in seine Wellenlängen zerlegt. Die Forschenden suchen in den Spektren nach Linienstrukturen, die Aufschluss über die chemische Zusammensetzung eines Objekts, seine Bewegung durch den Weltraum und seine Distanz zur Erde geben. Die nun veröffentlichte Datenbank enthält 600 Millionen Spektren aus einer als „Cosmic Noon“ bezeichneten Epoche des Universums, die vor 10 bis 12 Milliarden Jahren stattfand – einem äußerst frühen Abschnitt der kosmischen Entwicklung unseres rund 13,8 Milliarden Jahre alten Universums.
„HETDEX bietet uns einen ungewöhnlich weiten und detaillierten spektroskopischen Einblick in das Universum zu einer Zeit, in der die meisten Sterne und Galaxien gerade erst entstanden“, so Gebhardt und Prof. Dr. Wolfram Kollatschny von der Universität Göttingen. „Das Teleskop und seine Instrumente erfassen Zehntausende Spektren gleichzeitig. So lassen sich Galaxien über enorme kosmische Volumina hinweg auf eine Weise kartieren, die zuvor nicht möglich war.“ Prof. Dr. Jens Niemeyer von der Universität Göttingen gibt einen Ausblick: „In wenigen Monaten werden Messergebnisse zur mysteriösen Dunklen Energie – der beschleunigten Ausdehnung des Universums – mit bislang unerreichter Präzision vorgestellt.“
Die Daten und weitere Informationen sind unter https://hetdex.org/data-results/ zu finden.
Originalveröffentlichung: Erin Mentuch Cooper et al. HETDEX Public Data Release 1: Source Catalog 2 and Data Cubes from ∼ 90 deg2 of Integral-Field Optical Spectroscopy. The Astrophysical Journal Supplement Series (2026). DOI: 10.3847/1538-4365/ae6068
Kontakt:
Prof. Dr. Wolfram Kollatschny
Georg-August-Universität Göttingen
Institut für Astrophysik und Geophysik
Friedrich-Hund-Platz 1, 37077 Göttingen
Telefon: 0551 39-25065
E-Mail: wkollat@astro.physik.uni-goettingen.de
Internet: www.uni-goettingen.de/de/216897.html