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Presseinformation: Demokratie in Niedersachsen unter Druck – aber keine Systemkrise

Nr. 110 - 26.08.2026

Niedersächsischer Demokratie-Monitor 2025 registriert Rechtsverschiebung und Unzufriedenheit

 

(pug) Die Menschen in Niedersachsen unterstützen ganz überwiegend, nämlich zu 93 Prozent die Demokratie als Staatsform. Politische Akteure aber verlieren Vertrauen. Zudem polarisieren einzelne Themen stark, zwei geschlossene gesellschaftliche Lager bilden sich jedoch nicht heraus. Zum Beispiel sind die Einstellungen zu Migration und zur Wirtschaftspolitik in der Bevölkerung weniger polarisiert, als die öffentliche Debatte vermuten lässt. Das zeigen die aktuellen Zahlen des Niedersächsischen Demokratie-Monitors (NDM) 2025. Die Studie wird alle zwei Jahre von der Forschungs- und Dokumentationsstelle zur Analyse des politischer und religiöser Extremismen in Niedersachsen (FoDEx) erhoben. FoDEx ist am Institut für Demokratieforschung der Universität Göttingen angesiedelt und wird vom niedersächsischen Wissenschaftsministerium finanziert.

 

Ein zentrales Ergebnis des Demokratie-Monitors ist, dass eine Rechtsverschiebung in der politischen Landschaft stattfindet: Weniger Menschen als zuvor positionieren sich selbst in der Mitte des politischen Spektrums, rechte Selbsteinstufungen nehmen zu. Da der Anteil der Menschen links der Mitte gleichzeitig stabil bleibt, sprechen die Autorinnen und Autoren des NDM 2025 aber ausdrücklich nicht von einem Rechtsruck.

 

Sorge bereitet dem Forschungsteam, dass der Anteil derjenigen, die unzufrieden mit dem Zustand der Demokratie sind, erstmals den Anteil der Zufriedenen übersteigt. Diese Unzufriedenheit betrifft noch nicht die Demokratie als Herrschaftsform, nährt aber Offenheit für autoritäre Formen des Regierens. So stimmen 53 Prozent der Befragten einzelnen undemokratischen Herrschaftselementen zumindest teilweise zu, beispielsweise einer Regierung ohne parlamentarische Kontrolle oder einem Einparteienregime. Zudem verharren das Vertrauen in Parteien und Politiker sowie die Zufriedenheit mit der Politik der Bundesregierung auf sehr niedrigem Niveau.

 

„Die Demokratie als Staatsform bleibt in Niedersachsen breit anerkannt. Aber politische Akteure, die politische Mitte und die Mechanismen demokratischer Integration verlieren zunehmend an Bindekraft“, fasst der Direktor des Instituts für Demokratieforschung Prof. Dr. Simon Franzmann zusammen. „Genau in dieser Entwicklung sehen wir die zentrale Herausforderung für die Demokratie.“

 

Hoffnung macht dem Forschungsteam, dass die Zufriedenheit mit der Politik der Landesregierung weiterhin hoch ist. Sie findet bis weit ins Lager der CDU-Anhänger hinein Anerkennung. „Hier zeigt sich das stabilisierende Potenzial des Föderalismus, der Unzufriedenheit auffangen kann“, sagt Erstautor Dr. Philipp Harfst. „Insgesamt weist der NDM 2025 somit auf keine unmittelbar bevorstehende Systemkrise hin, wohl aber auf einen schleichenden Verlust demokratischer Integrationskraft.“

 

FoDEx erstellt den NDM alle zwei Jahre, die aktuellen Zahlen beruhen auf Telefoninterviews mit 1498 Befragten ab 16 Jahren in Niedersachsen zwischen 18. August und 12. Oktober 2025. Die Studie ist im Universitätsverlag Göttingen erschienen und online frei verfügbar:

 

Harfst, Philipp; Simon T. Franzmann, Steffen M. Kühnel, Joschua Helmer, Sally A. Fitzpatrick, Lena Jaensch, Nils Jatho, Sarah P. Schmidt und Michael Zylla (2026): Niedersächsischer Demokratie-Monitor NDM 2025. Demokratie und ihre Akteure unter Druck. Politische Konflikte und Rechtsverschiebung in Niedersachsen, Universitätsverlag Göttingen, https://doi.org/10.17875/gup2026-3130

 

Kontakt:

Dr. Philipp Harfst

Georg-August-Universität Göttingen

Projektmanager FoDEx und Erstautor Niedersächsischer Demokratie-Monitor

Institut für Demokratieforschung

Weender Landstraße 14, 37073 Göttingen

E-Mail: philipp.harfst@uni-goettingen.de

Internet: www.fodex-online.de

 

Prof. Dr. Simon Franzmann

Georg-August-Universität Göttingen

Direktor des Instituts für Demokratieforschung und wissenschaftliche Leitung von FoDEx

Weender Landstraße 14, 37073 Göttingen

Telefon 0551 39-28760

E-Mail: ifdem@uni-goettingen.de

Internet: www.ifdem.de