GISCA Occasional Paper Series

Die Göttingen Institute of Social and Cultural Anthropology (GISCA) Occasional Paper Series veröffentlicht exzellente Abschlussarbeiten der Studierenden, aktuelle Forschungsergebnisse der Forschenden und Lehrenden des Institutes sowie herausragende Vorträge aus dem Institutskolloquium.


Aktuelle Ausgaben:



GISCA 33 Westerkamp Titelseite_kl


GISCA No.33, 2022

Bachelorarbeit

Louis Westerkamp

"​Inklusion Delusion - Neoliberale Diskurse und Praktiken in der Stadtentwicklung: ​Eine Fallanalyse des Public Utility Vehicle Modernization Program (PUVMP) in der Metro Manila"




Diese Arbeit analysiert, wie das Public Utility Vehicle Modernization Program (PUVMP) den öffentlichen Personenverkehr und insbesondere die bisher lose organisierten Jeepneys im hoch urbanisierten Raum der Metro Manila zu modernisieren und zu rationalisieren versucht. Ausgehend von der Annahme, dass (1) heutige (urbane) Entwicklungsprogramme meist neoliberalen Logiken folgen und dass (2) Neoliberalismus nach gouvernementalem Ansatz als ein gesellschaftliches Projekt zur Neuordnung von Machtstrukturen zu verstehen ist und dem Machterhalt sowie der Machterweiterung politökonomischer Eliten dient, untersucht diese Arbeit das PUVMP nach Merkmalen des inklusiven Neoliberalismus nach Craig und Porter (2006). Konkret stellt diese Arbeit heraus, warum und inwiefern das PUVMP beispielhaft für ein urbanes Entwicklungsprogramm in einem Staat des globalen Südens als neoliberal zu gelten hat, wie es auf das neoliberale Imaginary der Global City rekurriert, wie sich eine solche neoliberale Agenda gesellschaftlich auswirken kann. Schließlich zeigt es, warum diese Entwicklung letztlich zu Formen der sogenannten Inclusion Delusion führt.





GISCA 32 Hermann Kempf 2021 Climate Change Songs


GISCA No.32, 2021

Paper

Elfriede Hermann; Wolfgang Kempf

"Climate Change Songs and Emotions: Articulating Agency in the Central Pacific"




Articulations of vulnerability, of the will to address the challenges posed by climate change, and of criticism of the international community’s inadequate efforts to limit global warming have taken many forms. In the Central Pacific atoll nation of Kiribati, songs associated with emotions are one of the artistic forms used to convey these articulations. In this paper, we turn our attention to a song about climate change that was written in English to reach the global community. We argue that this song, with its highly articulated and evoked emotions, represents a political practice in which the agency of atoll inhabitants is expressed. This song allows the protest against international climate policies to be heard and felt on the global stage. Although Kiribati is considered particularly vulnerable, the composer resists portraying the nation as a victim of climate change. Instead, he emphasizes the people’s agency and calls on the global community to take appropriate action.





GISCA-31-cover


GISCA No.31, 2021

Masterarbeit

Friederike Hesselmann

"Fürsorgliche Liebe als Widerstand: Die Emotion und das Selbst in der Care-Arbeit lateinamerikanischer Haushaltshilfen in Madrid"




Diese Arbeit untersucht fürsorgliche ‚Liebe‘ im Kontext der care-Arbeit lateinamerikanischer Haushaltshilfen in Madrid. Angelehnt an Michel Foucaults diskursanalytischen Ansätzen wird auf der Grundlage von ethnographischen Vignetten und Interviews die Emotion der ‚Liebe’ als diskursive, in den Kulturen Lateinamerikas eingebettete Reproduktion emischer Bedeutungen von ‚Liebe‘ analysiert. Unterschiede in der Auffassung der care-Arbeit führen zu missverständlichen, mitunter auch konfliktträchtigen Spannungen im Arbeitsverhältnis. In Beantwortung der Forschungsfrage „wie nehmen lateinamerikanische Haushaltshilfen in Spanien die fürsorgliche Liebe wahr und wie wirkt sich diese Wahrnehmung auf ihre care-Arbeit aus?“ wird dafür argumentiert, Liebe als Widerstand gegen die Anforderungen der spanischen Arbeitgeberinnen zu verstehen. Im Kontext der globalisierten Arbeitsteilung der reproduktiven care-Arbeit reproduzieren sich gleichsam historisch tradierte koloniale Machtverhältnisse, die sich in einem ungleichen, auf ausbeuterischen Strukturen basierenden Verhältnis der lateinamerikanischen Haushaltshilfen mit den europäischen Arbeitgeber:innen widerspiegelt. Die Ergebnisse der Feldforschung in Madrid, die wegen Reisebeschränkungen online weitergeführt wurde, zeigt auf, wie die ‚Liebe‘ in Anlehnung an Stuart Halls Konzept des positioning und der articulation Diskurse schafft, die zum einen eine identitäre Komponente haben und die lateinamerikanische Diaspora und insbesondere Haushaltshilfen als soziale Gruppe vereint. Zum anderen werden die sozialen (und psychologischen) Konsequenzen der praktischen care-Arbeit als widerständige Praxis gegen die ausbeuterischen Strukturen positioniert.