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Presseinformation: Lebendige Umwelt: Akustische Handlungsfähigkeit im Anthropozän

Nr. 88 - 23.06.2026

Musikwissenschaftlerin der Universität Göttingen erhält ERC Advanced Grant über 2,6 Millionen Euro

 

(pug) Die Musikwissenschaftlerin Prof. Dr. Birgit Abels von der Universität Göttingen hat einen Advanced Grant des Europäischen Forschungsrats (ERC) erhalten. Für einen Zeitraum von fünf Jahren fördert der ERC ihr Projekt „Vibrant Environmentality: Sonic Agentivity in the Anthropocene“ (VibE) mit rund 2,6 Millionen Euro. In dem Projekt erforscht Abels mit ihrem Team, wie Menschen sich ihre Welt durch das Hören erschaffen und wie Musikmachen ein Schlüssel zu möglichen Antworten auf existenzielle Krisen sein kann. Die Förderung schließt direkt an die Laufzeit eines ERC Consolidator Grants an, mit dem Abels 2020 ausgezeichnet wurde.

 

Die moderne Wissenschaft lehrt, dass das Bewusstsein eine Rolle bei der Gestaltung der Realität spielt: Physikalische Objekte erscheinen erst dann als Objekte mit definierten Eigenschaften, wenn eine Interaktion zwischen Beobachtenden und dem Objekt stattfindet. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Projekt gehen davon aus, dass Klang eine zentrale Rolle in der Entstehung gelebter Realitäten spielt. „In einem bedeutenden, aber bislang kaum erforschten Ausmaß beziehen Menschen ihre Handlungsfähigkeit aus dem leiblichen Erleben und der Mitgestaltung ihrer Umgebung durch Klang“, erläutert Abels. In diesem Erleben und der daraus folgenden Handlungsfähigkeit sehen die Forschenden eine Chance, die menschliche Vorstellungskraft für neue Wege und potenziell bahnbrechende Kooperationen jenseits des Sichtbaren und Aussprechbaren zu vertiefen – zum Beispiel vor dem Hintergrund existenzieller Krisen wie dem Klimawandel.

 

„Durch die Zusammenführung von Fallstudien aus Asien und der pazifischen Inselwelt, die sich auf die dem Musikmachen innewohnende ökologische Weisheit konzentrieren, wollen wir besser verstehen, woher Menschen wissen, wie sie ihre Umwelt durch klangbasierte Praktiken gestalten können“, so Abels. „Wir erforschen dieses unerschlossene Potenzial des Musizierens ethnografisch, um neue Antworten auf die existenziellen Herausforderungen unserer Zeit zu liefern und diese konzeptionell zugänglich zu machen, damit sie sowohl praktisch als auch intellektuell breit genutzt werden können.“

 

Birgit Abels, Jahrgang 1980, studierte Arabistik und Musikwissenschaft in Bochum und London. Ihre Promotion zur Musik des Inselstaates Palaus wurde mit dem ICAS Book Prize 2009 ausgezeichnet. Ihre Feldforschung führte Abels für mehrere Jahre nach Indien, Mikronesien und in die südostasiatische Inselwelt. Als Postdoc arbeitete sie in Leiden und Amsterdam (Niederlande) sowie Kota Kinabalu (Malaysia). Abels forscht zur Leiblichkeit musikalischer Erfahrung, klangbasierten Epistemologien und zur Phänomenologie von Musik in postkolonialen Kontexten. Seit 2011 ist sie Professorin für Kulturelle Musikwissenschaft/Musikethnologie an der Universität Göttingen.

 

Mit den Advanced Grants des ERC unterstützt die Europäische Union herausragende, bereits in ihrer wissenschaftlichen Karriere etablierte Forscherinnen und Forscher bei Projekten, die bahnbrechende neue Erkenntnisse versprechen.

 

Kontakt:

Prof. Dr. Birgit Abels

Georg-August-Universität Göttingen

Philosophische Fakultät

Musikwissenschaftliches Seminar

Telefon: (0551) 39-28339

E-Mail: babels@uni-goettingen.de

Internet: www.uni-goettingen.de/de/208258.html