Department für Volkswirtschaftslehre

Presseinformation: Wer hält sich in der Covid-19-Pandemie an die Spielregeln?

Nr. 195 - 17.12.2020

Göttinger Wirtschaftswissenschaftler untersuchen Zusammenhang mit ökonomischen Präferenzen und sozialer Verantwortung

(pug) Wirtschaftswissenschaftler der Universität Göttingen haben untersucht, inwiefern sich soziale Verantwortung vor der Krise sowie ökonomische Präferenzen auf die Regelkonformität zu den Politikverordnungen in der Covid-19-Pandemie übersetzt. Es zeigt sich, dass risikofreudige Menschen seltener zu Hause bleiben und weniger stark dazu neigen, größere Menschenansammlungen zu meiden. Zudem fällt es geduldigeren Menschen leichter, zu Hause zu bleiben und keine anderen Menschen zu treffen. Wer ohnehin Probleme damit hat, den sofortigen Konsum auf die Zukunft zu verschieben, neigt in der Krise zu Hamsterkäufen. Eine höhere soziale Verantwortung vor der Krise, die sich durch Wahlbeteiligung, Nicht-Schwarzfahren und Zustimmung zur Masern-Impfplicht zeigt, geht nach Aussage der Forscher mit einer höheren Regelkonformität in der Covid-19-Pandemie einher. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Journal of Public Economics erschienen.

Dr. Stephan Müller und Prof. Dr. Holger A. Rau von der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Göttingen führten für die Studie ein Internet-Experiment mit 198 Teilnehmerinnen und Teilnehmern durch. Im Kontext von Gesundheit und ökonomischen Entscheidungen spielen sogenannte Risiko- und Zeitpräferenzen eine wichtige Rolle. Beispielsweise führt risikofreudigeres Verhalten langfristig zu höheren Gewinnen, und im Gesundheitsbereich zeigt sich, dass risikofreudigere Menschen weniger bereit sind, medizinischen Behandlungen zuzustimmen, wohingegen geduldige Menschen sich eher an Gesundheitsratschläge halten. „Die erhöhte Bereitschaft, sich Gesundheitsrisiken auszusetzen, finden wir für risikofreudige Menschen auch in unserem Datensatz, da sie weniger stark das Zusammentreffen von größeren Menschenansammlungen meiden“, sagt Rau. „Gleichzeitig verhalten sich geduldige Menschen eher regelkonform, da sie eher dazu bereit sind, den ,Social Distancing‘-Verordnungen Folge zu leisten“, fügt Müller hinzu. Hinsichtlich der Bedeutung sozialer Verantwortung vor der Krise sagt Müller: „Unsere Ergebnisse zeigen, wie wichtig das ‚soziale Kapital‘ einer Gesellschaft für die Überwindung einer Krise wie der Covid19-Pandemie ist.“

Die Ergebnisse liefern wertvolle Erkenntnisse für das kurzfristige Krisenmanagement. Politikerinnen, Politiker und Institutionen wie die WHO könnten damit beispielsweise für Zielgruppen oder -regionen maßgeschneiderte Informationskampagnen erstellen.

Originalveröffentlichung: Müller, S., & Rau, H. A. (2020). Economic preferences and compliance in the social stress test of the COVID-19 crisis. Journal of Public Economics, 104322. Doi: https://doi.org/10.1016/j.jpubeco.2020.104322

Kontakt:

Dr. Stephan Müller
Georg-August-Universität Göttingen
Professur für Mikroökonomik
Platz der Göttinger Sieben 3, 37073 Göttingen
Telefon: 0551 39-9480
stephan.mueller@wiwi.uni-goettingen.de

Prof. Dr. Holger A. Rau
Georg-August-Universität Göttingen
Juniorprofessur für Experimentelle Wirtschaftsforschung
Platz der Göttinger Sieben 3, 37073 Göttingen
Telefon: 0551 39-22281
holger.rau@uni-goettingen.der tiefes Mitgefühl gilt seiner Frau und seinen vier Kindern.

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CHE-Masterranking: Studiengänge der Fakultät überzeugen mit Ergebnissen in der Spitzen- und Mittelgruppe

Im aktuell im ZEIT Campus Magazin veröffentlichten Ranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) für Masterstudiengänge u.a. in den Bereichen Betriebswirtschaftslehre (BWL), Volkswirtschaftslehre (VWL) und Wirtschaftsinformatik an Fachhochschulen und Universitäten punkten die Masterstudiengänge der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen mit hervorragenden Ergebnissen in der Spitzen- und Mittelgruppe.

Grundlage des Rankings sind Ergebnisse aus der Befragung aller am Ranking teilnehmenden Fakultäten und Fachbereiche sowie insbesondere der Masterstudierenden, die im Rahmen des CHE-Hochschulrankings 2019/ 2020 durchgeführt wurden. Wie bereits bei den grundständigen Studiengängen (vgl. Gute Ergebnisse für BWL, VWL und Wirtschaftsinformatik im CHE-Hochschulranking 2020) sind die Studierenden insgesamt sehr zufrieden mit ihrer Studiensituation sowie den Leistungen und Angeboten der Fakultät. In der Rubrik Unterstützung am Studienanfang punktet die Fakultät in allen drei am Ranking beteiligten Bereichen jeweils in der Spitzengruppe. Darüber hinaus haben die Studierenden insbesondere Kriterien wie Unterstützung im Studium, Übergang zum Masterstudium sowie Studienorganisation in die Spitzen- und Mittelgruppe eingeordnet.

In der Betriebs- und Volkswirtschaftslehre schafft es die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät außerdem bei den Kriterien Promotionen pro Professor, Veröffentlichungen pro Professor sowie Forschungsgelder pro Wissenschaftler (VWL) jeweils in die Spitzengruppe. In der Wirtschaftsinformatik kann die Fakultät in der Rubrik Master-Abschlüsse in angemessener Zeit mit Spitzenergebnissen punkten.

Im Sommersemester 2020 sind die Masterstudierenden im Rahmen der Studierendenbefragung ebenfalls zum (ersten) digitalen Semester während der Corona-Pandemie befragt worden. Jeweils mehr als 70 und 80 Prozent der Befragten bewerteten zum Beispiel die Kriterien Informationsmanagement der Hochschule zur aktuellen Lage, Möglichkeiten zum Kontakt und zum fachlichen Austausch mit Lehrenden, Ermöglichung das Studium wie geplant fortzusetzen und zu absolvieren, Erreichbarkeit von zentralen Ansprechpartner(inne)n (z.B. des Fachbereichs oder des Prüfungsamts), Vielfalt von digitalen Lehrformaten oder Technische Rahmenbedingungen für digitale Lehrveranstaltungen als "gut/sehr gut".

Das CHE-Hochschulranking gilt als das umfassendste und detaillierteste Ranking im deutschsprachigen Raum. Neben den Bewertungen der Studierenden finden sich ebenfalls Ergebnisse zu faktenbasierten Indikatoren wie die Anzahl der Masterstudierenden am Fachbereich oder die internationale Ausrichtung. Ausführliche Informationen zu den Ranking-Ergebnissen finden Sie unter www.zeit.de/masterranking (Registrierung/Anmeldung erforderlich).

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