Yakov Lurie, M.A.
Seit Oktober 2026 arbeite und lehre ich als Sozialanthropologe an der Universität Göttingen. Zugleich schließe ich meine Promotion in Anthropologie an der Universität Amsterdam ab.
Mein Forschungsinteresse gilt der Frage, wie Menschen ihr Leben und ihre Identitäten unter Bedingungen von Mobilität, Unsicherheit und sozialem Wandel gestalten. Mein Promotionsprojekt untersucht die Räume und Lebenswelten, die seit dem Zerfall der Sowjetunion entlang der russischen Fernstraßen entstanden sind. Im Mittelpunkt stehen kleine Händler:innen am Straßenrand und die Art und Weise, wie sie sich in infrastrukturellen, ökonomischen und politischen Umbrüchen zurechtfinden. Hervorgegangen ist diese Arbeit aus einer früheren mobilen Ethnografie mit russischen Fernfahrern sowie aus einem breiteren Interesse an Straßen, informellen Ökonomien und Erfahrungen postsozialistischer Transformation.
Seit 2022 bildet die Transformation der russischen Gesellschaft durch den Krieg gegen die Ukraine einen weiteren Schwerpunkt meiner Arbeit. Als Mitglied des Public Sociology Laboratory (PS Lab) untersuche ich den Alltag im kriegführenden Russland, Wahrnehmungen und Erfahrungen des Krieges sowie sich wandelnde Formen gesellschaftlicher Teilhabe unter Kriegsbedingungen.
Darüber hinaus habe ich mit weiteren Forschungsinitiativen zusammengearbeitet, unter anderem mit OutRush, dem CISR e.V. Berlin und dem Hannah Arendt Research Center, an Projekten zu kriegsbedingter Migration aus Russland und zu unabhängigen zivilgesellschaftlichen Strukturen im Land wie im Exil.
Neben Forschung und Lehre habe ich in angewandten ethnografischen Projekten mit NGOs sowie in den Bereichen Stadtentwicklung, Medien und Kunst gearbeitet. Mich interessieren Formen der Anthropologie, die über den akademischen Rahmen hinausreichen, und die Frage, wie sich ethnografisches Wissen zugänglich, anschaulich und nutzbar vermitteln lässt.
Einen langjährigen Hintergrund habe ich zudem im Film: Vor meiner anthropologischen Laufbahn habe ich Film studiert und als Filmkritiker sowie für internationale Filmfestivals gearbeitet. Der Film ist ein wichtiger Teil meiner Interessen geblieben, insbesondere die Schnittstellen von Anthropologie, Kino und visueller Kultur – von ethnografischen und dokumentarischen Praktiken bis hin zum sozialen Leben der Bilder.
- Seit 2026: Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Institut für Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie, Universität Göttingen
- Seit 2024: Doktorand (PhD Fellow) in Anthropologie, Universität Amsterdam, Niederlande. Dissertationsprojekt: Russia in Transit: An Ethnography of Uncertainty, Entrepreneurship, and Change along the Russian Highways.
- 2023–2024: Non-Resident Fellow, Russia Program, George Washington University, USA.
- 2018–2022: M.A. Kulturanthropologie und anschließende Forschungstätigkeit, Europäische Universität in St. Petersburg, Russland. Masterarbeit: The Timescapes of Long-Distance Trucking in Russia.
- 2015–2018: M.A. Arts, Schwerpunkt Sound in New Media, Aalto University School of Arts, Design and Architecture, Helsinki, Finnland.
- 2009–2013: B.A. Liberal Arts, Schwerpunkt Film, Smolny College, Staatliche Universität St. Petersburg, Russland, und Bard College, New York, USA (Doppelabschluss).
- Studienaufenthalte im Ausland:
2016: Erasmus+-Aufenthalt, Universität der Künste Berlin (UdK), Deutschland.
2012: Bard College, New York, USA.
- Anthropologie der Mobilität und der Straße
- Unsicherheit, Informalität und postsozialistischer Wandel
- Anthropologie der Zeit und der Arbeit
- Neoliberalismus in Russland
- Alltag und gesellschaftlicher Wandel im kriegführenden Russland
- Angewandte und öffentliche Anthropologie
- Film- und visuelle Anthropologie
- Ethnografische Methoden
- Filmgeschichte, Filmtheorie und Filmpraxis