In publica commoda

Integration in Vor- und Grundschule

Donnerstag, 12. Juni 2003
Ort: Hörsaal I im Waldweg 26, Göttingen
Zeit: 16.00 bis 18.00 Uhr
Moderation: Marcus Hasselhorn

Sprachfördermaßnahmen vor der Einschulung – Ein Weg zur besseren sprachlichen Integration von Migrantenkindern?
Katja Koch (Göttingen)


Leistungsentwicklung von Risikokindern im jahrgangsgemischten Schulanfangsunterricht: Befunde aus dem Projekt 'Schulanfang auf neuen Wegen'
Marcus Hasselhorn (Göttingen)


Mehrsprachigkeit und Leseverständnis russlanddeutscher Viertklässler – Konzept und Ergebnisse einer Pilotstudie
Rainer Peek (Berlin) & Knut Schwippert (Hamburg)



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Sprachfördermaßnahmen vor der Einschulung – Ein Weg zur besseren sprachlichen Integration von Migrantenkindern?
Katja Koch (Göttingen)


Im Vortrag werden erste Ergebnisse aus dem Pilotprojekt "Sprachfördermaßnahmen vor der Einschulung" berichtet, das derzeit an 20 niedersächsischen Grundschulen erprobt wird und im nächsten Schuljahr flächendeckend eingeführt werden soll. Das Ziel der Maßnahme ist es, die Chancen einer erfolgreichen Mitarbeit in der Schule insbesondere für Kinder mit Migrationshintergrund zu erhöhen. Im Anschluss an ein Sprachfeststellungsverfahren erhalten jene Kinder, deren Deutschkenntnisse als unzureichend eingestuft wurden noch vor der Einschulung eine sechsmonatige Sprachförderung.

Da derartige Förderprogramme im vorschulischen Bereich in Deutschland bisher noch wenig erprobt sind, thematisiert der Beitrag die Sichtweise der am Projekt beteiligten Lehrerinnen und Lehrer. Von besonderem Interesse ist, welche Erwartungen diese zu Beginn des Pilotprojektes äußern, welche Erfahrungen sie während der Umsetzung machen, wie sie die Wirksamkeit der Maßnahme beurteilen und welche Verbesserungsvorschläge sie unterbreiten. Um diese Fragen zu beantworten wurden leitfadengestützte Interviews mit den am Projekt beteiligten Lehrerinnen und Lehrern geführt. Darüber hinaus wurde nach der Motivation zur Teilnahme am Pilotprojekt und den hiermit verbundenen Erwartungen gefragt. Das empirische Material wird ergänzt durch Beobachtungen der Sprachfördermaßnahmen im Kindergarten und in der Schule.

Erste Auswertungen deuten daraufhin, dass die Lehrerinnen und Lehrer mit der Umsetzung der Maßnahme positive Erfahrungen gemacht haben und davon überzeugt sind, dass diese den Kindern zugute kommt. Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Sprachförderung ergeben sich aus ihrer Sicht häufig dann, wenn die Sprachförderung im Kindergarten erteilt wird und dort in den Tagesablauf des Kindergartens integriert werden muss.


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Leistungsentwicklung von Risikokindern im jahrgangsgemischten Schulanfangsunterricht: Befunde aus dem Projekt 'Schulanfang auf neuen Wegen'
Marcus Hasselhorn (Göttingen)


Seit 1997 werden an vielen Grundschulen in Baden-Württemberg neue Wege für den Schul–eingangsunterricht umgesetzt. Von besonderer Bedeutung ist dabei der jahrgangsgemischte Unterricht in den Klassen 1 und 2. Im Rahmen einer wissenschaftlichen Begleituntersuchung wurden an 41 Grundschulen die 1999 eingeschulten Kinder hinsichtlich ihres kognitiven Entwicklungsstandes (phonologische Verarbeitung, Arbeitsgedächtnis, Zahlenverständnis) untersucht. Anschließend wurden die Schulleistungsentwicklungen der etwa 1.000 Kinder im Bereich des Lesens (Würzburger Leise Leseprobe WLLP), des Rechtschreibens (Diagnostischer Rechtschreibtest DRT) und Rechnens (Deutsche Mathematiktests DEMAT) erfasst. Die Stichprobe lässt sich in drei Substichproben unterteilen: jahrgangsgemischt unterrichtete Kinder (A-Modelle), Unterricht mit besonderer Kooperation zwischen Grundschulförderklasse und erster Klasse (B-Modelle), herkömmlich unterrichtete Klassen (Vergleichsklassen).

Aufgrund der zu Schulbeginn erfassten kognitiven Entwicklungsstandsdaten wurden Risikokinder identifiziert und analysiert, inwiefern es zu unterschiedlichen Leistungsentwicklungen der Risikokinder in Abhängigkeit von der Art des Schuleingangsunterrichts (A-Modell, B-Modell, Vergleichsklassen) kommt. Die Befunde werden im Hinblick auf das pädagogische Ziel des Schulanfangs auf neuen Wegen diskutiert, einen günstigeren Schulanfang für Risikokinder zu ermöglichen.


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Mehrsprachigkeit und Leseverständnis russlanddeutscher Viertklässler – Konzept und Ergebnisse einer Pilotstudie
Rainer Peek (Berlin) & Knut Schwippert (Hamburg)


Die für den Sommer 2003 geplante Untersuchung "Mehrsprachigkeit und Leseverständnis russlanddeutscher Grundschüler" bezieht sich konzeptionell und methodisch auf Vorarbeiten der "Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung IGLU/PIRLS". In der Studie wird die Gruppe der russlanddeutschen Viert-, Fünft- und Sechstklässler in den Blick genommen: Es soll spezifisches Wissen über ihr Leseverständnis am Ende der Grundschulzeit gewonnen werden. Dabei steht ihr Leseverständnis sowohl in deutscher als auch in russischer Sprache im Zentrum des Interesses. Besondere Bedeutung wird der Frage beigemessen, inwieweit vorhandene Kompetenzen in Russisch mit dem Leseverständnis in Deutsch zusammenhängen. Der vielfach diskutierten und empirisch bislang nur unbefriedigend gelösten Frage zum Verhältnis von Muttersprache bzw. Familiensprache (L1) und Deutsch als Zweitsprache (L2) wird damit für eine der zahlenmäßig stärksten Immigrantengruppen nachgegangen. Die gewonnenen Ergebnisse können im Kontext von in Deutschland bzw. in Russland erhobenen Daten aus repräsentativen Stichproben vergleichend analysiert werden.

Der Beitrag stellt das Konzept der Untersuchung und besonders die Anlage und Ergebnisse einer im März 2003 durchgeführten Pilotuntersuchung in drei Berliner und drei Hamburger Grundschulen vor. Ca. 80 Viert-, Fünft- und Sechstklässler, die selbst und/oder deren Eltern in Russland geboren worden sind, haben Testinstrumente bearbeitet, die auf IGLU-PIRLS zurückgehen und in deutscher und in russischer Sprache vorliegen. Geprüft wurde ihr Wort- und Textverständnis in Russisch (Hörtest und Lesetest) und ihr Textverständnis in Deutsch (Lesetest). Darüber hinaus liegen für die Schülerinnen und Schüler Informationen aus einem Schülerfragebogen mit Angaben zu ihrem persönlichen Hintergrund sowie zu ihren Einstellungen gegenüber Sprache, Schule und Lernen, und Informationen aus einem Elternfragebogen vor, mit dem insbesondere Informationen zur Lesesozialisation in der Herkunftsfamilie erhoben werden.


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