Kunstwerk des Monats September

07. September 2025
Die sieben Zeichnungen des Speyerer Ölberges (um 1600)
Vorgestellt von Marina Grout B.A.


KdM_Sep


Die Zeichnung der Venus von Carel de Moor (1655–1738) ist ein Beispiel der niederländischen Malerei um 1700. Der Leidener Maler galt als berühmtester Porträtist seiner Zeit, denn zu seinen Auftraggebern zählten unter anderem Cosimo III. und Zar Peter der Große. Er ging bei Gerrit Dou, Abraham van den Tempel und Frans van Mieris in die Lehre und führte Aufträge für den Leidener Stadtrat aus. Mythologische, historische und religiöse Bilder machen nur einen kleinen Teil seines Gesamtwerks aus. Von Carel de Moor sind insgesamt nur sechs Zeichnungen erhalten, was das Stück in der Göttinger Kunstsammlung zu etwas Besonderem macht. Sie befindet sich seit ca. 250 Jahren im Besitz der Graphischen Sammlung, denn sie gelangte aus dem Bestand Uffenbachs als Nachlass im Jahr 1770 in die Göttinger Bibliothek.
Bei der Venus handelt es sich um eine Teilkopie nach einem Kupferstich von Hendrick Goltzius und Jan Saenredam aus dem Jahr 1596. Während der Kupferstich ein mythologisches Bildprogramm und Szenen aus dem Paris-Urteil darstellt, zeit De Moors Zeichnung allein die liegende Aktfigur im Zentrum, die ohne das Vorbild wohl kaum als Venus zu identifizieren ist. Wahrscheinlich zu Studienzwecken erstellt, fokussierte sich De Moor auf den weiblichen Körper, indem er jegliche Attribute wegließ. Weich verblendete Schatten, Weißerhöhungen und Akzente in Rötel erhöhen die Lebendigkeit des Körpers. Es ist nicht nur eine Kopie, sondern eine aemulatio, die das Vorbild hinsichtlich des Naturalismus übertrifft.