Kunstwerk des Monats November

02. November 2025
Rembrandts Pfannkuchenbäckerin und die Genredarstellungen im Gouden Eeuw
Vorgestellt von Annika Zinger M.A.


KdM_November_2025_Die Pfannkuchenbaeckerin_Rembrant


Das Gouden Eeuw, also das 17. Jahrhundert der Niederlande, brachte eine einzigartige und vielfältige Ausprägung der Genredarstellung hervor. Künstler wie Jan Vermeer, Pieter de Hooch und Gerard ter Borch widmeten sich Szenen des alltäglichen Lebens: Haushaltsarbeiten, Tavernenbesuche, Marktszenen oder intime Momente in bürgerlichen Wohnräumen. So rückte das scheinbar Banale und Alltägliche in den Mittelpunkt. Diese Motive spiegelten nicht nur die Lebensumgebung der aufstrebenden städtischen Mittelschicht, sondern vermittelten auch subtile moralische Botschaften oder Anspielungen auf Tugend, Mäßigung und Wohlstand.
Rembrandts Grafik „Die Pfannkuchenbäckerin“ (1635) ist die letzte seiner Genreradierungen aus der Frühphase seines Schaffens (1628–1635). Sie zeigt eine alltägliche Szene einer niederländischen Pfannkuchenbäckerin, umgeben von Menschen, die auf die Backware warten oder diese bereits genießen. Bereits 1751 beschreibt der französische Kunsthändler Edme-François Gersaint diese Grafik im ersten Werkverzeichnis zu Rembrandts Œuvre. Ziel des Verzeichnisses war es , Sammlern eine grundlegende Orientierung im Œuvre Rembrandts zu vermitteln, damit sie bei ihrem nächsten Kauf die angebotene Grafik eigenständig kritisch beurteilen konnten. Neben der konkreten Beschreibung von Inhalt und Maßen für eine eindeutige Identifizierung der Radierung, finden sich darin auch anekdotische Details, wie bei der Grafik der Pfannkuchenbäckerin eine Beschreibung mitsamt Zubereitungsanweisung für niederländischen Pfannkuchen, da diese den französischen Lesern scheinbar unbekannt waren.
Die kleinformatige Grafik erfuhr zahlreiche und vielschichtige Interpretationen. Besonders häufig wird die Bäckerin mit dem Bösen assoziiert und zuweilen als Hexe mit zerfurchtem Gesicht und gebückter Haltung erkannt. Ihre abgewandte Haltung, dunklere Gestaltung sowie die aufsteigenden Rauchschwaden sollen kindliche Ängste darstellen. Seinerzeit galten Pfannkuchen als Sinnbild von Dummheit und Geschwätz. Zugleich laden die überzeichneten Figuren im Hintergrund zu weiteren, humorvolleren Deutungen ein und verleihen der Szene so eine gewisse Ironie und Leichtigkeit. Damit gliedert die Radierung sich einerseits in die Tradition der Genredarstellung ein, die neben moralischen Botschaften auch gesellschaftliche Reflexionen vermittelten. Andererseits gliedert sich die Grafik auch in die allgemeine Rezeption Rembrandts ein, dessen Bilder und Person häufig zum Prototyp des holländischen Meisterkünstlers erhoben wurden.