Kunstwerk des Monats Feburar
01. Februar 2026
Gipsabgüsse als Schlüssel für historische Sammlungspraktik am Beispiel des Abguss eines Tragaltars (SK 054)
Vorgestellt von

Die Kunstsammlung Göttingen besitzt mehrere Gipsabgüsse, die ursprünglich aus dem königlichen Welfen-Museum kommen. Sie wurden ihr im Jahre 1981 von der Nachfolgeinstitution des Welfen-Museums, dem Landesmuseum Hannover, übereignet. In diesen Bestand fällt auch der Abguss eines kastenförmigen Tragaltares (SK 054). Sein mittelalterliche Original wurde 1833 im Hochaltar des Mariendoms in Hildesheim wiederentdeckt. Das Welfen-Museum beauftragte die Hildesheimer Gipsgießerei Küsthardt um das Jahr 1860 mit der Anfertigung. Im Fokus steht die Frage, warum das Welfen-Museum die Originale oder eine Abformung in seine Sammlung aufnahm.
In diesem Vortrag wird anhand des Abgusses eines kastenförmigen Tragaltars das Sammlungsinteresse des Museums rekonstruiert und erklärt, warum Gipsabgüsse als Schlüssel zu historischer Sammlungspraktik verwendet werden können. Das Interesse von Museen an Gipsabgüssen im 19. Jahrhundert wird auf drei Ebenen betrachtet: ästhetisch, heimatkundlich-historisch und politisch. Anhand dieser Ebenen wird erörtert, inwiefern die jeweilige Ebene die Einfügung des Abgusses des Tragaltars in das Welfen-Museum erklären kann. Dabei wird die These aufgestellt, dass diese Abformung in das Projekt der Staatsbildung des Königreichs Hannover im Sinne der (Er)findung einer gemeinsamen Kultur fiel.
Charlotte Marie Brusberg