Kunstwerk des Monats Januar
01. Februar 2026
Erst listig wie ein Fuchs, dann gerupft wie eine Gans. Die Zehn Lebensalter von Crispijn de Passe
Vorgestellt von

Acht kreisrunde Kupferstiche aus der graphischen Sammlung der Georg-August-Universität gehören zu einer zehnteiligen Folge von Lebensalterdarstellungen, die Crispijn de Passe d. Ä. als Kupferstecher (fecit) und Verleger (excudit) nennt. Jede bildliche Darstellung der Lebensalter des Menschen ist mit einer lateinischen Subscriptio aus der Feder Matthias Quad von Kinkelbachs versehen, welche die Bildaussage auch hinsichtlich der Gesamtkonzeption schärft. Gegliedert in Dekaden werden die den entsprechenden Lebensphasen eigenen Charakteristika und Verhaltensweisen durch Personifikationen versinnbildlicht. Dabei wird den einzelnen Lebensaltern stets ein Tier attributiv beigeordnet. Die Analogie zwischen Tier und Mensch ist dabei nicht willkürlich getroffen, sondern rekurriert auf eine Sinnspruchtradition, die in Bestiarien des 15. und 16. Jahrhunderts greifbar wird. Maßgebend ist ebenfalls die bereits in Horaz’ Ars Poetica formulierte Vorstellung, dass sich im Verlauf des Älterwerdens mehrere Lebenswandel vollziehen. In Abgrenzung zu anderen Lebensalterdarstellungen der Zeit wird die horazsche Einteilung nicht exakt übernommen, sondern zugunsten einer christlich-didaktischen Gesamtaussage abgewandelt und erweitert, und changiert so zwischen humorvollem Kommentar und mahnendem Moralappell. Ihren Ausgang nimmt die Darstellung des menschlichen Lebensweges mit dem Kindesalter des Zehnjährigen und schließt mit dem Hundertjährigen auf dem Totenbett.
Charlotte Marie Brusberg