Lohnende Lektüre
An dieser Stelle will ich regelmäßig auf ausgewählte Bücher hinweisen, deren Lektüre mir einen Erkenntnisgewinn verschafft hat und die mir auch für Studierende lohnend erscheinen. Dabei sollen vor allem handliche und bezahlbare Bücher berücksichtigt werden.
WS 2026/27
Frieder Günther/Eva Balz: Verwandlung durch Recht. Das Bundesverfassungsgericht und die Vergangenheit, 2026Das Bundesverfassungsgericht wurde 1951 in Karlsruhe gegründet und galt bisher als weitgehend »unbelastet«, denn es hatte keinen Vorgänger. Dabei war es aufgrund seines Personals und seiner Rechtsprechung tief in der deutschen Geschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verwurzelt. In seinen Entscheidungen setzte sich das Gericht kritisch damit auseinander und ließ zugleich eine Orientierung an Reformen erkennen, die einen klaren Bruch mit der Zeit des Nationalsozialismus markierten. Auf der Basis des Grundgesetzes brachte es neue Impulse etwa auf dem Gebiet der Geschlechterbeziehungen, des Beamtenrechts oder der Wiedergutmachung ein und wirkte so mit, Staat und Gesellschaft von Grund auf zu verändern. Frieder Günther und Eva Balz erzählen über den Zeitraum von 1951 bis 1970 anhand neuer Quellen, wovon »belastete« und »unbelastete« Richter in ihrer Arbeit geprägt waren und wie sie zusammenarbeiteten. Sie schildern, wie sich das Gericht als Institution entwickelte und welche maßgeblichen Entscheidungen die 40 Richter und zwei Richterinnen während der 1950er und 1960er Jahre trafen.
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Papst Leo XIV: Enzyklika "Magnifica humanitas" (Die großartige Menschheit). Über die Bewahrung des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz, 2016
Papst Leo XIV. hat seine erste Enzyklika veröffentlicht, die im zweiten Jahr seines Pontifikats aufzeigt, was ihn ganz besonders bewegt. Er sieht die Auswirkungen der Künstlichen Intelligenz (KI) als besondere Herausforderungen für die Menschheit. Das päpstliche Lehrschreiben trägt den Titel „Magnifica humanitas – über die Bewahrung des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz“ (Rom, 15. Mai 2026) und wurde am 25. Mai 2026 im Vatikan vorgestellt.
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SS 2026
Sabine Döring: Wissenschaftsfreiheit in der liberalen Demokratie, 2026Das Buch ist ein leidenschaftliches Plädoyer für die Autonomie der Wissenschaft. Wissenschaftsfreiheit ist ein Prüfstein für die Resilienz liberaler Ordnungen; sie schützt die freie Gesellschaft als solche und darf nicht zur bloßen akademischen Redefreiheit verzwergt werden. Insofern ist das Buch gleichermaßen ein Beitrag zur Geschichte und Theorie der Wissenschaftsfreiheit wie zur Philosophie des Liberalismus.
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Barbara Stollberg-Rilinger: Die Aufklärung. Europa im 18. Jahrhundert, 6. Auflage, 2023
Die politische, soziale und geistige Bewegung der Aufklärung ist ein europäisches Phänomen. Sie hat in ganz Europa der Geschichte des 18. Jahrhunderts ihre charakteristischen Züge verliehen: In Frankreich, England, Deutschland, Italien, Spanien und darüber hinaus, überall wurde der Begriff der »Aufklärung« zum Modewort, die Vorstellung davon, Licht ins Dunkel der Unvernunft zu bringen, den Nebel des Aberglaubens und der Vorurteile zu vertreiben, zum vieldiskutierten Leitbild. Der Überblick der renommierten Münsteraner Historikerin erfasst diese gesamteuropäische Geistesbewegung und schildert sie in aller Vielfalt, wenn nicht gar Widersprüchlichkeit.
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WS 2025/26
M. Rainer Lepsius: Soziologie des Nationalsozialismus, 2026M. Rainer Lepsius (1928–2014), der Nestor der deutschen Nachkriegssoziologie, widmete zahlreiche Studien den gesellschaftlichen Voraussetzungen und Bedingungen, die zum Entstehen und Aufstieg des Nationalsozialismus führten. Seine in den 1980er Jahren an der Universität Mannheim gehaltene Vorlesung Soziologie des Nationalsozialismus bündelt seine einschlägigen Forschungen zu einem großen Essay, der die Stringenz der wissenschaftlichen Argumentation mit der Frische eines lebendigen Erzählstils verbindet – und darin mit den legendären Arbeiten von Sebastian Haffner und Hannah Arendt vergleichbar ist.
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Detlef Pollack: Große Versprechen. Die westliche Moderne in Zeiten der globalen Krise, 2025
Woher kommt das Unbehagen in der modernen Kultur? Warum suchen immer mehr Menschen nach Alternativen zum politischen und ökonomischen System des Westens? Der renommierte Soziologe Detlef Pollack zeigt, wie die Moderne an ihren eigenen großen Versprechen von Freiheit, Wohlstand und Frieden irre wird, zumal angesichts von Kriegen und Krisen, die zu Verlusten, Wut und Enttäuschung führen. Sein Buch ist ein engagiertes Plädoyer dafür, trotz allem an der Moderne und ihren Erwartungen festzuhalten.
www.chbeck.de