Sammlungen

Die Anfänge der Gemäldesammlung der Universität Göttingen sind bis in das Jahr 1795 zurückzuverfolgen. Johann Wilhelm Zschorn (1714-1795), Sekretär am Oberappellationsgericht zu Celle, hinterließ der Georgia Augusta testamentarisch mehr als 270 Gemälde, die 1796 auf drei Pferdewagen nach Göttingen kamen. Diese Stiftung war an die Bedingung geknüpft, sorgsam aufbewahrt, öffentlich ausgestellt sowie in den Dienst der akademischen Ausbildung gestellt zu werden - ohne dass es damals das Fach Kunstgeschichte bereits gegeben hätte. Die Gemäldesammlung war bestimmt "für die Bildung des Geschmacks, die Angewöhnung des Auges und des Sinnes für das Gute und Schöne (...). Unser Zeit-Alter verlangt neben dem Brot-Studium auch einige Kultur" (Göttingische Anzeigen 1796).
Johann Dominik Fiorillo (1748-1821), erster Kurator der Sammlung, veröffentlichte bereits 1805 einen gedruckten Katalog. Die erste wissenschaftliche Erfassung erschien schließlich im Jahre 1926 von Wolfgang Stechow (1896-1974). Durch die Stiftungen der Professoren Julius Baum (1882), Karl Ewald Hasse (1902) sowie Wilhelm Dilthey (1907) erweiterte sich der Bestand beträchtlich, vor allem im Bereich der italienischen Malerei.
Neben den Gemälden beispielsweise solcher Berühmtheiten wie Lippo Vanni (um 1315-nach 1375), Francesco Botticini (um 1446-1497), David Terniers d.Ä. (1582-1649), Jan Steen (um 1626-1679), Jan van Goyen (1596-1656), Jan Victors (1619-1679), Salomon van Ruysdael (1602-1670) und Joos de Momper (1564-1635) besitzt die Göttinger Universität aber auch Werke der Moderne, wie von Paula Modersohn-Becker (1876-1907) und Max Pechstein (1881-1955). Nach mehrfachen Standortwechseln - von der Wohnung des ersten Kurators über das Akademische Museum ins Accouchierhaus und zum Theaterplatz - ist die Gemäldegalerie schließlich seit 1987 im Alten Auditorium untergebracht und dort seit 2011 nach grundlegenden Sanierungsarbeiten in modernisierten Ausstellungsräumen auch für die Öffentlichkeit zugänglich.

Bereits 1736 schenkte der Frankfurter Patrizier Johann Friedrich Armand von Uffenbach (1687–1769) der erst ein Jahr später offiziell gegründeten Georgia Augusta einen großen Teil seiner Sammlungen, darunter etwa 10.000 Blatt Druckgrafik sowie 1.000 Zeichnungen. Kurz nach Uffenbachs Tod gelangten diese im Jahre 1770 nach Göttingen. Sie bilden den Grundstock der Grafischen Sammlung sowie das historische, quantitative und qualitative Herzstück der Kunstsammlung. Ankäufe und Schenkungen erweiterten die Sammlung auf heute ca. 15.000 Blatt Druckgraphik und 2.500 Zeichnungen. Besonders hervorzuheben ist darunter der Nachlass Wolfgang Stechows (1896–1974), der – obschon er 1936 als Privatdozent der Kunstgeschichte aufgrund seiner jüdischen Vorfahren in die USA emigrieren musste – seine Sammlung in großzügiger Geste komplett der Georgia Augusta hinterließ.
Der druckgrafische Bestand wurde bereits von Uffenbach selbst durch ein Inventar erfasst; um 1800 erstellte Johann Dominik Fiorillo (1748–1821) sowohl ein Zeichnungs- als auch ein Grafikinventar. Highlights der Zeichnungssammlung sind unter anderem Werke von Sandro Botticelli (1445–1510), Hans Holbein d. Ä. (1465–1524), Hans Burgkmair (1473–1531), Rosso Fiorentino (1494–1540), Hans von Aachen (1552–1615), Frans II. Francken (1581–1642), Gerrit van Honthorst (1592–1656). Aber auch Objekte des 19. und 20. Jahrhunderts sind durchaus vertreten, unter anderem von Wilhelm Schadow (1788–1862), Andreas Achenbach (1815–1910), Eduard Bendemann (1811–1889), Erich Heckel (1883–1970), Emil Nolde (1867–1956) und Franz Marc (1880–1916). Für die kunsthistorische Forschung und Lehre ist der Göttinger Grafikbestand von besonderer Bedeutung aufgrund der großen Menge an Blättern Albrecht Dürers (1471–1528) sowie seiner Zeitgenossen. Es gibt eine erstaunliche Anzahl von RembrandtGrafiken, selbst eine der seltenen Original-Druckplatten des Meisters ist vorhanden. Hinzu kommen ein repräsentativer Querschnitt der niederländischen Grafikproduktion im Allgemeinen sowie wichtige Arbeiten bedeutender vormoderner und moderner Künstler wie Giovanni Battista Piranesi (1720-1778), Francisco de Goya (1746–1828) und Pablo Picasso (1881–1973).

Der Skulpturenbestand der Georgia Augusta lässt sich in drei unterschiedliche Bereiche unterteilen. Zum einen beinhaltet er Büsten aus Marmor und Gips, welche die für eine Universitätssammlung typischen bedeutenden Persönlichkeiten der Universitätsgeschichte darstellen. Besonders interessant ist hierbei etwa jene Büste, die Johann Gottfried Schadow (1764–1850) im Jahre 1813 im Auftrag der Schüler und Kollegen des Rechtshistorikers Christian August Gottlieb Goede (1774–1812) schuf. Bemerkenswert in ihrer doch wenig schmeichelhaften Realitätsnähe ist die um 1800 von Friedrich Wilhelm Doell (1750–1816) entstandene Büste des Mathematikers und Physikers Abraham Gotthelf Kaestner (1719–1800).
Neben diesen aus dem Universitätsleben stammenden plastischen Porträts umfasst die Sammlung außerdem einen kleinen Bestand an Holzskulpturen des 14. bis 18. Jahrhunderts aus unterschiedlichen Regionen und funktionalen Kontexten. Vermutlich im Jahre 1902 kam dabei durch das Vermächtnis des Geheimen Hofrats Professor Karl Ewald Hasse (1811-1902) die erste Skulptur – drei schlafende Jünger am Ölberg, um 1500 – in die Sammlung, im Jahre 1907 dann eine Madonna mit Kind aus der schwäbischen Schule aus dem Besitz Professor Wilhelm Diltheys (1833-1911). Darauf aufbauend konnten in den 1920er und 30er Jahren einige Objekte mit Unterstützung des Universitätsbundes erworben werden, darunter die älteste Skulptur der Sammlung aus dem frühen 14. Jahrhundert. Weitere Skulpturen entstammen dem Besitz des ehemaligen Universitätskustos Justus Theodor Valentiner (1869-1952).
Der dritte Sammlungsteil umfasst schließlich Werke der Moderne, die im Verlauf der Universitätsgeschichte angeschafft wurden und von bekannten Künstlern stammen. Darunter befinden sich beispielsweise sechs Entwürfe für einen »Kunst am Bau«- Wettbewerb aus den 1980er Jahren mit Modellen von Horst Antes (*1936) sowie Otto Herbert Hajek (1927–2005). In ihrer Gesamtheit vermittelt die Skulpturensammlung somit einen umfassenden Querschnitt der Geschichte plastischer Kunst vom Mittelalter bis in die Gegenwart.

Seit 1996 verfügt die Kunstsammlung über eine nennenswerte Sammlung internationaler Künstler-Videos, die dank Professor Carsten-Peter Warncke (*1947) aus Berufungsmitteln angeschafft werden konnten. Darunter befinden sich wichtige Meilensteine der Videokunst, beginnend bei frühen Arbeiten von Pippilotti Rist (*1962) und Vito Acconci (1940-2017), bis hin zu Künstlern der 1980er-Jahre, wie zum Beispiel Ulrike Rosenbach (*1963), Klaus vom Bruch (*1952) oder Marcel Odenbach (*1953). Das Spezifische der Videokunst ist in den besonderen Gestaltungsmöglichkeiten zu sehen, aus denen sich Arbeiten mit dokumentarischem Effekt bis zu völliger Verfremdung ergeben.
1965 kam die Portapak, die erste tragbare Videokamera, auf den Markt. So begann sich eine vielfältige Kunstgattung zu entwickeln, die in den 1990er-Jahren aufgrund der Entwicklung der Digitaltechnik in einer allgemeinen Medienkunst aufging. Bei den frühen Künstler-Videos stand das Experimentieren mit dem Medium im Vordergrund, später jedoch konnten mit einer gewissen Kenntnis der technischen Bedingungen und Manipulationsmöglichkeiten gezielt die künstlerischen Ideen umgesetzt werden.
Die Videokunst entstand in einem künstlerischen Umfeld, in dem konventionelle Gattungsvorstellungen keine Rolle mehr spielten und sich verschiedene Kunstformen wie bildende Kunst, Literatur, Musik, Tanz und Theater in Form von Happenings, Perfomances und Aktionen vermengten. Aufgrund der technischen Neuerungen in den 1980er-Jahren waren Bilder fortan ineinander verwebbar, wodurch sich erstmals elektronische Effekte erzeugen ließen. Die Videokunstsammlung wird regelmäßig in die kunsthistorische Lehre eingebunden und in das Ausstellungswesen integriert.

Bereits unter der Direktion von Friedrich Wilhelm Unger (1810-1876), der von 1863 bis 1876 für die Kunstsammlung tätig war, sowie unter Rudolf Hermann Lotze (1817-1881) wurden einige Fotografien angeschafft und als Schenkungen angenommen. Es ging darum, mit der damals noch neuen Technik, einen wissenschaftlichen Lehrapparat an Abbildungen aufzubauen, der die bereits vorhandenen Sammlungen an Gemälden, Druckgrafik und Zeichnungen ergänzen sollte. Durch Einträge im Inventarbuch der Kupferstiche - von Fiorillo 1784 angelegt - lassen sich konkrete Anschaffungen von Fotografien spätestens seit den 1870er-Jahren nachweisen. Beispielsweise besagt ein Eintrag von 1879: "31 Blatt Photographien nach Raphael, Handzeichnungen (Geschenk des Herrn. Geh. Hof Rathes Hasse - 1879)".
Spätestens seit 1881 nahm unter August Schmarsow (1852-1936) der Ankauf von Fotografien zu Lehrzwecken erheblich zu. Sehr häufig genannt werden Anschaffungen von Fotografien aus dem Kunstverlag Franz Hanfstaengl München. Konrad Lange (1855-1921), der als Professor und Verantwortlicher für die Sammlung in den 1880er- und 90-er Jahren an der Universität Göttingen beschäftigt war, schreibt 1891 in der Universitätschronik, dass durch eine Erhöhung des Etats vermehrt Ankäufe möglich seien. Er spricht interessanterweise von: "...Anschaffung von Originalphotographien und photomechanischen Vervielfältigungen der Meisterwerke der deutschen und niederländischen Malerei sowie der modernen Kunst. Dürer und Rembrandt sind jetzt fast vollständig, Holbein, Leonardo da Vinci, Menzel u.a. wenigstens in ihren Hauptwerken vertreten...". Lange erwähnt auch, dass er Ausstellungen organisiere und die "in den letzten Jahren geschaffene Photosammlung dabei der Öffentlichkeit zugänglich" mache.
1997 wuchs der Bestand durch die Überlassung der Fotosammlung der Museumslandschaft Hessen Kassel sprunghaft. Es handelt sich hierbei vor allem um Reproduktionsfotografien des 19. Jahrhunderts nach Gemälden der Kasseler Galerie, aber auch Architektur, Orient und anderes ist unter den Motiven vertreten.