Kunstwerk des Monats


Seit Februar 2006 wird jeden Monat ein Kunstwerk aus der Kunst­sammlung der Universität von Studierenden oder Mitar­beiterInnen der Kunstsammlung bzw. des Kunstgeschichtlichen Seminars vor­gestellt. Dabei handelt es sich sowohl um Werke aus der ständigen Ausstellung, zu denen neue Forschungsergebnisse vorliegen, als auch um Graphiken und "Schätze aus dem Magazin".

Die Vorträge finden jeden ersten Sonntag im Monat um 11:30 Uhr im Hörsaal des Auditoriums statt.


Weitere Termine


  • 2. Juni 2024 | 11:30 Uhr
    "Ein bisschen Köln in Göttingen. Wie Gipsabgüsse vom Dreikönigenschrein einen längst vergangenen Zustand erhalten"
    Vorgestellt von Sanna Urban
  • 5. Mai 2024 | 11:30 Uhr
    Eine Neuerwerbung für die Kunstsammlung:
    Nicolaes Steenwijcks "Stillleben mit Paradiesvogel, Kaurischnecken, Taschenuhr und Gipsmedaillon"

    Vorgestellt von Anne-Katrin Sors
  • 7. April 2024 | 11:30 Uhr
    Susanna und die beiden Alten nach Peter Paul Rubens
    Vorgestellt von Thomas Noll



05. Mai 2024


Eine Neuerwerbung für die Kunstsammlung: Nicolaes Steenwijcks "Stillleben mit Paradiesvogel, Kaurischnecken Taschenuhr und Gipsmedaillon"
Vorgestellt von Dr. Anne-Katrin Sors

  • Zur Teilnahme über Zoom


KDM P 5.2024_2




Kunstsammlung der Universität Göttingen
Die herausragende kunst- und kulturhistorische Bedeutung des Gemäldes ist thematisch, provenienzgeschichtlich, funktional und wissenschaftsgeschichtlich begründet. Neben seiner Bedeutung als hervorragendes und ungewöhnliches niederländisches Stillleben des 17. Jahrhunderts ist es die personelle Verbindung zu dem bedeutenden Naturforscher der Aufklärung Johann Friedrich Blumenbach (1752-1840) in Göttingen, die nachweisliche Verwendung als didaktisches Lehrmedium und die besonderen Umstände des Verlustes, die das Bild zu einem künstlerisch wie historisch und wissenschaftsgeschichtlich einmaligen Zeugnis machen. Das dem Stilllebenspezialisten Nic. Steenwijk aus Breda durch eine alte Rückseitenbeschriftung zugeschriebene Gemälde zeigt den präparierten wandbefestigten Paradiesvogel neben einem hängenden Gipsabguss einer Medaille Leopolds I. über einer Konsole mit Taschenuhr und Muscheln. In einem Stillleben ist der Paradiesvogel ausgesprochen ungewöhnlich, verweist wie Uhr und ebenfalls exotische Schnecken auf die Welt der Naturalienkabinette und gelehrten Bildung. Das Kaiserporträt der Medaille weist auf ein katholisches Millieu der habsburgischen Niederlande, was zu dem wahrscheinlichen Entstehungsort Breda passen könnte. In vielerlei Hinsicht wirft das Bild Fragen auf, fordert historische Kontextualisierung und Suche nach Vergleichbarem, Nachdenken über die verwendeten Objekte und Intentionen des Stilllebens, aber auch über den Maler und die zeitgenössische Produktion gelehrter Stillleben: Diese Erkenntnispotentiale und Fragen lassen es zugleich zu einem besonders wertvollen Objekt für die Lehre innerhalb der Göttinger Lehrsammlung werden. Da in Göttingen auch das naturwissenschaftlich ausgerichtete Blumenbach-Projekt beheimatet ist, dort Wissensgeschichte im Vordergrund steht, kann dieser Nutzen mehreren Disziplinen zu Gute kommen. Das Gemälde ist für die Kunstsammlung der Universität Göttingen von größter Bedeutung, da der überwiegend bereits im 18. Jahrhundert erworbene, bedeutende Bestand der Lehr- und Forschungssammlung von 300 meist niederländischen und flämischen Gemälden durch den Ankauf aus Blumenbachs Sammlung gezielt um ein Stillleben außergewöhnlicher Thematik, Konzeption und Qualität ergänzt wurde, um so den enzyklopädischen und didaktischen Sammlungsanspruch zu komplettieren. Auch für die Zoologische Sammlung ist das Werk aufgrund der zur Entstehungszeit seltenen Darstellung eines Paradiesvogels von historischem Wert. Vor allem ist es die wissenschaftsgeschichtliche Bedeutung, die sich aus der Person des Vorbesitzers Johann Friedrich Blumenbach, dessen naturkundlichen und auch künstlerischen Interessen ergibt. Dies trifft sich mit der aktuellen Forschung am Geowissenschaftlichen Museum und dem Langzeit-Projekt der Akademie der Wissenschaften "Blumenbach online", in dem die Sammlung dieses bedeutenden Forschers rekonstruiert und mit der Korrespondenz und anderen Zeugnissen digitalisiert wird. Das Objekt ist also von interdisziplinärem Interesse für die weite Sammlungslandschaft der Universität Göttingen.

















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