In publica commoda

Innovation in Schulen verstehen und fördern – ein Beitrag qualitativer Schulentwicklungsforschung
Kirsten Ricker (Göttingen)

In dem Beitrag möchte ich erste Ergebnisse aus dem qualitativen Schulforschungsprojekt 'Schulentwicklung und LehrerInnenbiographien. Zum Verhältnis von institutioneller und berufsbiographischer Entwicklung' vorstellen.

Auf der Grundlage von narrativen Interviews, Experteninterviews und einer Dokumentenanalyse werden in dieser Einzelfallstudie an einer niedersächsischen Gesamtschule zwei Bereiche der Schulforschung zusammengeführt: die Schulentwicklungsforschung und die Forschung zu Berufsbiographien von Lehrerinnen und Lehrern. Das Vorhaben verfolgt das Ziel, aus der Perspektive von Lehrerinnen und Lehrern zu untersuchen, wie institutionelle Veränderungsprozesse erlebt und gestaltet werden, wie vor diesem Hintergrund individuelle Lern- und Bildungsprozesse angeregt oder behindert werden. Neben der relationstheoretischen Verzahnung von Akteursperspektive und Institutionenperspektive, die neue empirisch fundierte Erkenntnisse im Hinblick auf die Gestaltung und Entwicklung von Einzelschulen verspricht, ermöglicht gerade auch die biographieanalytische Herangehensweise, die Wirkungsweise der Organisationskultur einer Schule und die Auswirkung von Schulentwicklungsprozessen mikrosoziologisch zu erfassen. Die Wahrnehmung und die Bedingungen von schulischem Wandel werden darüber hinaus durch die in der Untersuchung vorgenommene Kontrastierung von Gender- und Generationsperspektiven ausdifferenziert.

Neben der Rekonstruktion der individuellen Erfahrungen und des Engagements von Lehrkräften bei der Initiierung schulischer Innovations- und Veränderungsprozesse steht insbesondere mit Blick auf das Tagungsthema das jeweilige Selbstverständnis der Lehrkräfte als Akteur bzw. als Akteurin in Innovationsprozessen und somit die Möglichkeiten des Verstehens und Förderns von Schulentwicklung im Mittelpunkt der Ausführungen.

Theoretisch orientiert sich die Untersuchung an den Modellen von Schul- und Organisationsentwicklung sowie an Anthony Giddens Theorie der Strukturierung. Die Auswertung des Datenmaterials wird in Anlehnung an Fritz Schützes kognitive Figuren autobiographischer Stegreiferzählung und unter Einbeziehung der Dokumentarischen Methode nach Ralf Bohnsack vorgenommen.

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